«Putzen kann auch Spass machen!»

«Putzen kann auch Spass machen!» -

Dina Di Luigi arbeitet seit 2005 im Kurhaus Bergün. Im Interview erzählt sie, was sie in ihrer über zehnjährigen Tätigkeit als Gouvernante schon Kurioses erlebt hat.

Dina Di Luigi, wie sind Sie im Bergdorf Bergün gelandet? Und wie sind Sie im Kurhaus Gouvernante geworden?
Ich bin im Dezember 1990 meinem Bruder von Portugal nach Bergün gefolgt und habe in mehreren Betrieben in und um Bergün gearbeitet. Zu Beginn war ich als Allrounderin – im Service, an der Rezeption, in der Hauswirtschaft – im Hotel Piz Ela tätig. Während dieser Zeit habe ich auch meinen Mann kennengelernt. Nach der Geburt von meinen beiden Söhnen wollte ich wieder ein kleines Pensum arbeiten und habe im Kurhaus Bergün angefragt. Aus ein paar Stunden Lingerie die Woche wurde bald ein Vollzeitpensum in der Hauswirtschaft.

Welche Aufgaben gehören zu Ihrer tagtäglichen Arbeit als Gouvernante?
Natürlich die Zimmerreinigung (bei Anreise, Abreise und verbleibenden Gästen), die Pflege und Reinigung der allgemeinen Räume, also Holzböden pflegen, antike Lampen putzen etc., sowie Lingerie-Arbeiten: waschen, trocknen, bügeln und kleinere Näharbeiten. Während den Betriebsferien wird das Kurhaus einmal komplett auf den Kopf gestellt und von oben bis unten geschrubbt und gereinigt.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders gut?
Ich bin nun schon viele Jahre in der Hauswirtschaft tätig und meine Arbeit bereitet mir immer noch viel Freude. Die Zusammenarbeit im Team ist mir sehr wichtig – und das Team im Kurhaus ist immer zu Scherzen aufgelegt. Mein Motto lautet: Putzen kann auch Spass machen!

Und was gefällt Ihnen denn weniger gut?
Wie in vielen Betrieben werden auch im Kurhaus Anpassungen vorgenommen und neue Standards festgelegt. In der Hauswirtschaft dauert es immer ein wenig länger, bis alles umgesetzt wird – obwohl ich dies möglichst rasch erledigen möchte.

Was ist Ihnen besonders wichtig um Umgang mit den Gästen? Worauf achten Sie?
Mir ist wichtig, dass sich die Gäste im Kurhaus Bergün wohlfühlen, dass sie ein sauberes Zimmer vorfinden und bei Anliegen diese auch anbringen können. Viele Gäste kommen bereits seit mehreren Jahren, man kennt sich und spricht miteinander auf dem Korridor. Teilweise tausche ich Wandertipps oder Rezepte mit den Gästen aus. Wir pflegen im Kurhaus Bergün ein familiäres, unkompliziertes Verhältnis zu den Gästen und dies soll auch so bleiben.

Sie sind seit über zehn Jahren im Kurhaus tätig. Welche lustigen, traurigen oder spannenden Geschichten sind Ihnen bis heute in Erinnerung geblieben?
Täglich erleben wir auf der Etage lustige, verrückte und teilweise leicht peinliche Dinge. Eine Familie reiste zum Beispiel einst mit dem Haushuhn an, das in einer Kartonschachtel in der Wohnküche hauste. Sie können sich vorstellen, dass ich ziemlich erschrak, als ich die Zimmertüre öffnete…
Dann hatten wir vor mehreren Jahren einmal einen Gast, der mit einem Virus infiziert war. Nach seiner Abreise mussten wir das Zimmer mit Mundschutz gründlich putzen. Alles musste mehrmals gewaschen werden und erst nach einer Woche wurde das Zimmer wieder vergeben.
Ein anderes Mal war ich ziemlich verblüfft, als ich bei der täglichen Zimmerreinigung nach wiederholten Klopfen die Türe öffnete und plötzlich vor einem schönen, nackten Mann stand. Wir sind beide errötet und haben uns lachend entschuldigt.

Hotelgäste vergessen oft einen Teil ihres Gepäcks in den Zimmern. Welche lustigen Dinge haben Sie beim Putzen und Aufräumen schon gefunden?
Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Dinge die Gäste in den Zimmern vergessen. Meist sind es alltägliche Sachen wie Socken, Bücher, die Zahnbürste oder Telefonladegeräte. Aber richtig spannend wird es, wenn Gäste ganze Koffer, den Lieblingsteddy der Kinder oder sogar Autoschlüssel liegen lassen! Wie wollen die Gäste denn ohne Schlüssel nach Hause fahren? Und einmal blieb auch etwas Exotisches und nicht ganz Jugendfreies liegen… – mein Team musste herzhaft lachen.