Natur

Mit Bienenstock, Charme und Imkerhut

Mit Bienenstock, Charme und Imkerhut - Natur

Wenn es munter summt und brummt, schlägt sein Herz höher. Bienen sind aus dem Leben von Urs Nutt nicht mehr wegzudenken. Beim «Bündner Jungimkerprojekt Flugschnaisa» vermittelt er sein Wissen der nächsten Generation. Sein neuster Streich: «Grischa Biena uf da Schiena». Ab 2017 geht er mit einem umgebauten Wagen der Rhätischen Bahn auf Tournee durch den Kanton.

Urs Nutt ist ein Mann auf einer Mission. Das wird sofort klar, als er auf dem Parkplatz der Rhätischen Bahn in Landquart aus einem ausgemusterten Polizeitransporter steigt. Die Ärmel seines honiggelben T-Shirts sind hochgekrempelt. Auf der Brust prangt eine Biene, das Logo des «Bündner Jungimkerprojekts Flugschnaisa». Bei seiner Arbeit als Leiter der Verhandlungsgruppe der Kantonspolizei Graubünden steht er dann im Einsatz, wenn es heikel wird. Ob bei häuslicher Gewalt oder einer Geiselnahme – sein Team versucht zu vermitteln. Die Imkerei ist für Urs Nutt ein Ausgleich zu seiner Arbeit. Bei den Bienen tankt er Energie. Auch wenn Polizeiarbeit und Imkerei ganz unterschiedlich erscheinen, gibt es aus seiner Sicht durchaus Parallelen. «In beiden Funktionen ist das Begleiten wichtig. Als Polizist kann ich der Bevölkerung meine Unterstützung anbieten. Das Gleiche gilt bei den Bienen. Als Imker sorge ich dafür, dass das Volk sich wohlfühlt und nicht ausschwärmt.»
Bei der Frage, wann ihn das Imkerfieber gepackt hat, muss Urs Nutt schmunzeln. Denn der Zufall brachte ihn auf den Geschmack. Von einem Dienstkollegen erfuhr er von einem Imkerkurs. Nutt entschied sich spontan, daran teilzunehmen. «Schon nach dem ersten Kurstag war für mich klar: Ich brauche Bienen!», sagt Urs Nutt rückblickend. Ebenfalls per Zufall stand das Bienenhaus eines anderen Kursteilnehmers zum Verkauf. Heute kümmert sich Nutt um zwanzig bis dreissig Bienenvölker, verteilt auf sieben Standorte. Von Frühling bis Herbst legt er unzählige Kilometer mit seinem Transporter zurück. Jedes Volk muss mindestens einmal pro Woche kontrolliert werden.

«Als Imker sorge ich dafür, dass das Volk sich wohlfühlt.»
Urs Nutt

«Wir kommen zu den Kindern»
«Es war ein rechter Chrampf!», sagt Urs Nutt nicht ohne Stolz. Er steht vor einem alten Wagen der Rhätischen Bahn, den er gemeinsam mit freiwilligen Helfern komplett ausgehöhlt hat und aus dem eine rollende Bienenausstellung entstehen wird. «Grischa Biena uf da Schiena» heisst das Projekt. Der Erlebniswagen geht ab dem Frühling 2017 auf Tour durch Graubünden. «So müssen die Kinder nicht zu uns kommen, sondern wir kommen zu den Kindern.»
Dass das Interesse an Bienen bei der jungen Generation gross ist, weiss Urs Nutt aus Erfahrung. Im Jahr 2010 startete eine Gruppe von Imkern aus der Region Chur das «Bündner Jungimkerprojekt Flugschnaisa». Während neun Kurstagen werden aus Schülerinnen und Schülern kleine Bienenexperten. Ihr Schulzimmer ist das Bienenhaus in Rhäzüns, direkt am Waldrand. Hier lernen sie alles über die Zusammenhänge der Natur. Die herrlich duftende Wiese vor dem Haus leuchtet in allen Farben, vom violetten Wiesensalbei bis zur Goldnessel. Die Bienen fliegen von einer Blüte zur nächsten und geben ein wunderbares Beispiel für die Artenvielfalt einer Magerwiese ab. Vom Balkon des Bienenhauses aus wird klar, dass der Name «Flugschnaisa» nicht von ungefähr kommt. Urs Nutt erklärt, dass die Bienen den Stock im gleichen Winkel anfliegen, in dem sie ihn zuvor verlassen haben. Der Winkel ist davon abhängig, wo gerade der Honig lockt. Dieser Weg, den die Bienen je nach Saison anders wählen, wird als Flugschneise bezeichnet.

«Kinder sollen früh ein Bewusstsein für die Bedeutung der Bienen entwickeln.»
Urs Nutt

Mit Herzblut dabei
Im Bienenhaus hängen an einer Stange zwei Dutzend Imkeranzüge en miniature. Auf jedem Anzug steht der Name des Jungimkers, in den Taschen stecken Lederhandschuhe. Auf dem Spiegelschrank stehen drei Flaschen Anti-Brumm. «Es ist wichtig, dass die Kinder nicht gestochen werden, sonst vergeht ihnen die Lust», so Nutt. Bisher habe noch keines der Kinder den Kurs frühzeitig abgebrochen. Schliesslich lockt die feierliche Übergabe eines Diploms vor grossem Publikum. «Schön war, als sich ein Grossvater bei mir meldete und sich dafür bedankte, dass wir seinem Enkel so viel über Bienen beigebracht haben. So könne dieser eines Tages seine Stöcke übernehmen», erzählt Urs Nutt. Darum geht es ihm. Dass Kinder früh ein Bewusstsein für die Biodiversität und die Bedeutung der Bienen entwickeln. Seine Augen leuchten, wenn er aufzählt, in welchen Bündner Tälern «Grischa Biena uf da Schiena» haltmachen wird. Und dass der Erlebniswagen eines Tages vielleicht die ganze Schweiz erobern wird. «Ich bin eben mit Herzblut dabei», sagt Urs Nutt beinahe entschuldigend. «Es ist toll, in einem Team etwas zu erarbeiten.» Rollen 2017 die «Grischa Biena uf da Schiena», heisst es für Urs Nutt: Mission erfüllt.

Grischa Biena uf da Schiena»
In den alten RhB-Wagen wird ein kleines Kino eingebaut, in dem Filme über Bienen laufen. An einem Werktisch können Be­–sucher Lippenpomade aus Bienenwachs produzieren und ein besonderer Hingucker wartet an der Zugspitze: ein Schaubienenhaus. Hinter Glasscheiben beobachtet man hier die Bienen bei ihrer Arbeit.
www.flugschnaisa.ch

Gutes von fleissigen Bienchen

Gutes von fleissigen Bienchen -

So ein Glas mit goldgelbem Inhalt findet sich wohl in jedem Schweizer Küchenschrank: Honig. Rund 1,4 Kilogramm Honig konsumieren die Schweizerinnen und Schweizer pro Kopf und Jahr. Die Auswahl an verschiedenen Sorten ist gross, doch grundsätzlich wird nur zwischen zwei Arten unterschieden.

In erster Linie wird bei Honig zwischen Blüten- und Honigtauhonig unterschieden.

Blütenhonig kann sowohl aus dem Nektar einer einzelnen Pflanze oder aber, als sogenannter Mischblütenhonig, aus verschiedenen Pflanzen gewonnen werden. Er besteht hauptsächlich aus Nektar, den die Bienen aus den Blütenkelchen der Pflanzen sammeln. Nektar ist eine Flüssigkeit, die von Blütenpflanzen im Inneren ihrer Blüte ausgeschieden wird. Der süsse Saft sammelt sich im Nektarkelch und lockt fliegende Insekten aller Art – und natürlich fleissige Bienchen – an. Heutzutage ist Blütenhonig vor allem ein Sammelbegriff für all jene Honigsorten, die keiner spezifischen, einzelnen Pflanze zugeordnet werden können. Trägt ein Honig den Namen einer Pflanzenart – wie beispielsweise Akazien-, Raps- oder Edelkastanienhonig – , bedeutet dies, dass der Honig zum grössten Teil von den genannten Blüten stammt.

Die meisten Blütenhonige kristallisieren nach ein bis sechs Wochen. Eine Ausnahme bildet der Akazienhonig, der oft zwölf Monate flüssig bleibt. Durch intensives Rühren während der Kristallisationsphase kann der Zustand des Honigs beeinflusst werden. Dabei werden die sich bildenden Zuckerkristalle mechanisch zerkleinert und es entsteht ein feincremiger, weicher Honig.

Honigtauhonig hingegen gewinnen die Bienen nicht direkt aus Blütennektar, sondern aus Honigtau, der von Blatt- und Schildläusen gebildet wird. Diese Insekten ernähren sich von verschiedenen Pflanzensäften und scheiden die überschüssige, zuckrige Flüssigkeit in Form von Honigtau wieder aus. Dieser lagert sich auf Blättern, Nadeln und Zweigen ab, wird dort von den Bienen aufgesammelt und im Bienenstock zu Honig verarbeitet.

Honigtauhonig besitzt im Gegensatz zum Blütenhonig mehr Fruchtzucker, bleibt deshalb meist lange flüssig und besitzt oft eine deutlich dunklere Farbe. Der häufig anzutreffende Waldhonig besteht aus Honigtau verschiedener Baumarten, zum Beispiel von Insekten auf Fichten, Kiefern oder Tannen, manchmal ist gar ein kleiner Anteil an Blütennektar vorhanden. Blatthonig hingegen stammt von Laubbäumen wie Eiche oder Ahorn und Tannenhonig schliesslich von Tannen, im Allgemeinen von Weisstannen.