Glacier Express

Eisblau im Eiskanal

Eisblau im Eiskanal - Glacier Express

Er ist eisblau und pfeilschnell: Der Bob Club Svizzera Italiana trainiert seit Januar 2016 mit einem Viererbob im Look des Glacier Express. Moreno Beti, Sportchef des Clubs und leitender Lokführer bei der Rhätischen Bahn, hat dafür gesorgt, dass der Nachwuchs seines Clubs ganz im Sinne der Rhätischen Bahn unterwegs ist.

Es ist ruhig im Wald. Der Schnee dämpft alle Geräusche, von denen es im Engadin ohnehin wenige gibt. Umso überraschender rauscht auf einmal fast lautlos der Bob heran. Pfeilschnell zischt er durch den Eiskanal des Olympia Bob Run in St. Moritz-Celerina. Die 1 722 Meter lange Bahn ist die älteste Bahn der Welt – und noch dazu die einzige Natureisbahn. Deshalb ist sie auch so leise: Die Kälte kommt von der Aussenluft, während bei künstlichen Bahnen die Kühlaggregate unter der Bahn sitzen.
Die englischen Touristen hatten den Bobsport nach St. Moritz gebracht und 1897 den St. Moritz Bobsleigh gegründet. Auf der Hauptstrasse fuhren sie mit ihren Bobs ins Tal. Weil dies zu gefährlich wurde, eröffnete man 1904 die Bahn. Sie steht bis heute am mehr oder minder selben Ort. Einzig der Zielauslauf wurde verlängert, weil die Bobs heute viel schneller sind als vor hundert Jahren. Die schnellste je gemessene Geschwindigkeit liegt bei 149 Stundenkilometern – aber dann müssen sämtliche Bedingungen wie Wetter, Sonneneinstrahlung und Eiszustand stimmen.

Ein Bob für den Nachwuchs
Auch der Bob Club Svizzera Italiana trainiert auf dem Olympia Bob Run in St. Moritz-Celerina. Eigentlich ist er in Pontresina beheimatet, von wo aus er als Bobclub für die gesamte italienischsprachige Schweiz fungiert. Der Verein ist Nachfolger eines Bobclubs aus Lugano, der sich in den 1980er-Jahren auflöste, erzählt Moreno Beti.
Der Leiter des RhB-Lokpersonals der Depots Samedan, Pontresina und Poschiavo ist Sportchef des Clubs und dafür verantwortlich, dass sein Nachwuchs nun mit einem Glacier Express Bob trainieren darf. Ein Kollege hatte nach einer Gäste­fahrt auf dem Olympia Bob Run in St. Moritz-Celerina die Idee, einen eigenen Rennschlitten für die RhB anzuschaffen – und Moreno Beti machte sich an die Umsetzung. Nun trainieren zum einen seine 15- bis 25-jährigen Nachwuchsfahrer mit dem Schlitten. «Und zweitens hat der Glacier Express nun einen Bob, der Botschafter der RhB und der Matterhorn Gotthard Bahn ist», sagt Beti erfreut.

Adrenalinkick mit Tradition
Dass der Glacier Express und der flinke Bob einige Gemeinsamkeiten haben, stellt auch Sabrina Dattilo, Produktmanagerin Glacier Express und Bernina Express, bei der Bob-Taufe fest: Der Olympia Bob Run sei ebenso ein Kunstwerk wie die Streckenführung des Glacier Express und der «Gletscher»-Express passe perfekt auf eine Natureisbahn. Eine Fahrt mit dem neuen Bob sei ein «Adrenalinkick mit Tradition und ein genauso unvergessliches Erlebnis wie die Fahrt mit dem Glacier Express». Als sich das rote Tuch lüpft und der Bob enthüllt wird, geht ein Raunen durch die Menge. Knappe 3,5 Meter ist er lang, rund 210 Kilogramm schwer – und leuchtet in derselben Kombination aus Eisblau und Rot wie der weltberühmte Zug.
Martin Galliker, ehemaliger Bob-Weltcup-Fahrer, pilotiert den RhB-Bob auf seiner Jungfernfahrt durch den Eiskanal, der jede Saison aus 15 000 Kubikmetern Schnee und 7 000 Kubikmetern Wasser gebaut wird. Dafür reisen extra 15 Bahnarbeiter aus dem Südtirol an. Gemeinsam bauen sie den Rohbau auf, danach verteilen sie sich über die Bahn: Jeder ist für 100 bis 150 Meter der Bahn verantwortlich und sorgt dafür, dass sich dieser Abschnitt die gesamte Saison über in perfektem Zustand befindet. «Einige der Bahnarbeiter sind jetzt schon seit mehr als 30 Jahren jeden Winter hier», sagt Damian Gianola, Direktor des Oympia Bob Run. Er verrät lachend, dass im frisch hergerichteten Sunny House ein eigener Koch die Bahnarbeiter betreut – «mit original Südtiroler Knödeln».

Sonnensegel für die Bobbahn
Entlang der Strecke sind zirka alle 80 Meter Hydranten installiert, um den Bahnarbeitern die Arbeit zu erleichtern. Mit Schneeschaufeln in der Hand stehen sie entlang der Bahn und betreuen ihren Abschnitt. Einer lehnt an einem der Pfosten, die alle paar Meter in den Boden gerammt sind. Sie sind für die Sonnensegel bestimmt, die ab Februar über der Bahn hängen. Sonst würde die Sonne die Bobbahn in Tauwasser verwandeln. Anfang März ist dann endgültig Schluss. Es wird zu warm im sonst eher kühlen Engadin; weder Rennrodel, Skeletons noch Bobs können noch auf der Bahn fahren. Dann schmelzen langsam Eis und Schnee – und im Sommer sieht man nichts mehr von der Bahn. Bis im Winter der Zauber von Neuem beginnt.

 

Von den Schienen in den Eiskanal

Von den Schienen in den Eiskanal

Gestaltet im Design des Glacier Express, trägt der neue Viererbob des Bob Clubs Svizzera Italiana seit Anfang 2016 den Namen des langsamsten Schnellzugs der Welt durch den Eiskanal. Sehen Sie im Video, wie der aussergewöhnliche Werbebotschafter entstanden ist.

Der langsamste Schnellzug der Welt
Die Fahrt durch die Schweizer Alpen prägt sich ein: In St. Moritz grüsst die Welt der Schönen und Reichen, in der Rheinschlucht der Grand Canyon der Schweiz und in Zermatt das imposante Matterhorn. 
Von St. Moritz nach Zermatt ab CHF 150.50 inkl. 3-Ganz-Menü am Sitzplatz
www.glacierexpress.ch