Was machen eigentlich...

… die Skiliftbügelgeber im Sommer?

… die Skiliftbügelgeber im Sommer? - Was machen eigentlich...

Was ist orange und schwarz und ist seit 1934 aus keinem Skigebiet mehr wegzudenken? Der Bügellift. Ende der 1920er-Jahre vom Zürcher Ingenieur Ernst Gustav Constam erfunden, trat er vom Bolgen in Davos aus seinen Siegeszug an. Mittlerweile gibt es auch «Selbstbügler», aber am Bolgen reichen die Liftmitarbeiter den Skifahrern nach wie vor galant den Bügel. Doch was machen genau diese Herren eigentlich den Rest des Jahres?

«Im Sommer bin ich auf den Wanderwegen unterwegs», sagt Jürg Sprecher. Was nach Ferien klingt, ist ein ebenso harter Job wie derjenige im Winter. Wenn um Ostern herum für den 65-jährigen Liftchef des Bolgenlifts in Davos die Wintersaison endet, wartet schon der nächste Auftrag an der frischen Luft. Bis in den Herbst hinein kümmert er sich um die Wanderwege rund um seinen Heimatort Davos: Er stellt Wegweiser auf und nimmt sie im Oktober wieder weg – ebenso wie kleine Brücken, die gleichermassen Lawinen zum Opfer fallen könnten wie die Schilder. Er erneuert die rot-weissen Markierungen und schaut, wo ein Steinschlag drohen könnte. Und zwar an vier Tagen die Woche. Das sind nicht ganz so viele Arbeitstage wie am Lift, das ist Jürg Sprecher durchaus bewusst. «Aber in meinem Alter nehme ich es inzwischen ein wenig lockerer», sagt er mit einem herzhaften Lachen.
Die Saison ist schliesslich hart genug. Bei Wind und Wetter stehen er und seine zwei Kollegen am Bolgenlift – Jürg Sprecher seit mittlerweile zehn Jahren. Jeweils zwei sind im Dienst, einer geniesst nach einer Fünf-Tage-Woche zwei freie Tage. «Weihnachten und Neujahr sind besonders streng, aber auch in den Sportferien und an Ostern ist je nach Wetter besonders viel los», sagt der Liftchef. Der heutige Bolgenlift ist nicht mehr der Originallift von 1934 – aber er hat immerhin schon rund 80 Jahre auf dem Buckel. Dies bedeutet, dass er kein «Selbstbügler» ist, sondern dass Sprecher und seine Kollegen noch jedem Gast den Bügel reichen. Dabei kommt man ins Gespräch, was dem Liftchef gut gefällt. Ausserdem gibt es oft etwas zu erklären: «Am Bolgenlift sind viele Anfänger oder Kinder mit Skischulen unterwegs.»

Erholung bei der Jagd
Bevor Jürg Sprecher zum Bolgenlift kam, war er 26 Jahre lang für die Schatzalp-Bahn tätig – allerdings im Büro. Heute geniesst er es, jeden Tag an der frischen Luft zu sein: «Das ist eine ganz andere Art von Abwechslung.» Auch wenn das vor allem im Winter bedeutet, keine Ferien zu haben.
Denn der Bolgenlift steht auch nach mehr als 80 Jahren keinen Wintertag lang still, auch nicht am Heiligen Abend. Ferien gibt es für Sprecher somit erst nach acht bis zehn arbeitsamen Monaten. Dann geniesst er sein Hobby, die Hoch- und Nieder­jagd. In den Wäldern rund um Davos sucht er vor allem nach Gämsen – und vergisst dabei den Trubel der touristischen Monate. Sobald der erste Schnee fällt, und spätestens am 20. Dezember, steht Sprecher dann wieder fünfmal die Woche um 8.30 Uhr an «seinem» Bolgenlift, prüft die Nothaltepunkte, das Seil und die Trasse. Und freut sich auf die Gäste, die ab 9.30 Uhr ihre ersten Erfahrungen auf Skiern und am ersten Bügellift der Welt sammeln.