Gut zu wissen

Die RhB schraubt sich bergwärts

Die RhB schraubt sich bergwärts - Gut zu wissen

Eine Meisterleistung der Bahnpioniere
Die harmonisch in die Natur eingebettete Albulalinie ist ein Paradestück des Bahnbaus – nicht ohne Grund gehört sie zum UNESCO Welterbe «Rhätische Bahn in der Landschaft Albula / Bernina». Die gesamte Strecke zwischen Thusis und St. Moritz wurde 1904 nach nur fünf Jahren Bauzeit eröffnet und gilt bis heute als Meisterleistung in Sachen Bahntechnik und Linien­führung. Besonders hervorzuheben ist der Abschnitt zwischen Bergün und Preda, denn hier trafen die Ingenieure beim Bau auf die wirklichen Herausforderungen der Gebirgsbahn.

Kehr- und Spiraltunnels ersetzen Zahnrad
Zwischen Bergün und Preda galt es, auf einer Tallänge von nur rund sechs Kilometern eine Höhendifferenz von 416 Metern zu überwinden. Einen Zahnradabschnitt wollten die Ingenieure aufgrund der betrieblichen Nachteile nicht einbauen. Um die vorgegebene Maximalsteigung von 35 Promille einzuhalten und den grossen Höhenunterschied dennoch zu überwinden, musste somit das Bahntrassee gegenüber der Tallänge verdoppelt werden. Dies gelang den Bahnpionieren mittels Kehr- und Spiraltunnels: Mit zwei Kehrtunnels, drei Spiraltunnels und vier Brücken steigt die Bahn von Bergün auf 1 373 Metern hinauf nach Preda auf 1 789 Metern über Meer.
Kehr- und Spiraltunnels unterscheiden sich darin, dass im Kehrtunnel die Gleise einen Halbkreis beschreiben, sodass der Zug beim Verlassen des Tunnels in die entgegengesetzte Richtung fährt. Fällt eine solche Wendung ins offene Gelände, spricht man von einer Kehre. Dreht sich hingegen die Bahnlinie im Berg drin um 360 Grad und schraubt sie sich gleichzeitig in die Höhe, handelt es sich um einen Spiraltunnel. Eine grosse Herausforderung beim Bau dieser Kehr- und Spiraltunnels waren die Absteckungen. Mittels Fixpunkten ausserhalb der Tunnels und Winkelmessungen mit Theodoliten – speziellen Winkelmessgeräten – konnte aber auf einfache Art eine grosse Genauigkeit erzielt werden: Die jeweiligen Abweichungen in Länge und Richtung lagen nur bei wenigen Zentimetern.
Die Winkelmessungen zwischen den Fixpunkten wurden unter Berücksichtigung der Kreisbogen nach dem Arbeitsfortschritt in den Tunnel übertragen und fixiert. So gelangen die roten Züge der RhB noch heute durch die beiden Kehrtunnels Plaz und God sowie die drei Spiraltunnels Rugnux, Toua und Zuondra von Bergün nach Preda.

Wanderführer Via Albula / Bernina
Weitere Infos zu den Kehr- und Spiral­tunnels sowie zu Wanderungen im UNESCO Welterbe «Rhätische Bahn in der Landschaft Albula / Bernina» gibt es im Wanderführer Via Albula / Bernina, erhältlich im RhB-Shop:
www.rhb-shop.ch