Via

Valser Wasser - von der Quelle ins Regal

Valser Wasser - von der Quelle ins Regal - Via

Die markanten grünen Flaschen mit dem Bergrelief sind von den Tischen in Schweizer Restaurants nicht mehr wegzudenken. Doch wie gelangen sie dorthin? Einen guten Teil ihrer Reise legen sie auf der Schiene zurück. Ganz bequem in einem Schiebewandwagen der Rhätischen Bahn.

Doch die Reise des Valser Mineralwassers beginnt viel früher. Denn das Wasser, das aus der St. Petersquelle in Vals sprudelt, durchlebt zuerst Jahrzehnte im Berg. So lange rinnt es durch Gestein, sickert durch den Boden, fliesst durch unterirdische Flüsse – bis es in Vals an die Oberfläche kommt. Bis dahin ist es hoch mineralisiert und vor allem reich an Calcium. Jahrelang nutzt die Gemeinde Vals ihre Quelle lediglich, um das Thermalbad zu speisen. Erst 1961 beginnen die Unternehmer Donald M. Hess und Dr. Robert Schrauder, das Wasser in Flaschen zu füllen. «In den Anfangsjahren füllte man hier innerhalb eines Jahres dieselben Mengen ab, die wir heute innerhalb einer Stunde abfüllen», sagt Werksleiter Urs Länzlinger mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Inzwischen kommt Valser Wasser aus vier Quellen. Sie gehören weiterhin der Gemeinde Vals, die pro Liter verkauftem Wasser einen Anteil bekommt. Eine Quelle nutzt Valser Wasser gemeinsam mit der Therme, die anderen dienen rein dem Abfüllen von natürlichem Mineralwasser.

Die Erfolgsgeschichte beginnt
Anfang der 1960er-Jahre vertreibt die Hess Group AG – ursprünglich eine Bierbrauerei aus Kilchberg bei Bern – ihr Wasser zunächst über den inzwischen legendären Valser-Mann, der das Wasser bis vor die Haustür liefert. Seit 1966 gibt es Valser Classic im Handel, 1984 kommt die stille Variante, Valser Naturelle, auf den Markt. 2002 verkauft die Hess Group Valser Wasser an Coca-Cola. Inzwischen ist Valser Wasser mit etwa 80 Mitarbeitenden einer der grössten Arbeitgeber in der Bündner Randregion, und Coca-Cola hat bis heute mehr als 50 Millionen Franken in Infrastruktur und Produktinnovationen investiert. Unter anderem gibt es seit 2010 ein weiteres Mineralwasser aus einer neuen Quelle: Valser Silence ist kürzer im Berg unterwegs und weit weniger mineralisiert. «Valser Silence kommt aus der höchstgelegenen genutzten Quelle Europas in 1 800 Metern Höhe über Leitungen in einen Vorratstank. Aus diesem füllen wir das Wasser je nach Bedarf direkt in die Flaschen», erklärt Urs Länzlinger. Das Wasser aus den anderen drei Quellen kommt als Valser Classic und Valser Naturelle
zunächst ebenfalls in einen Vorratstank und wird später in Flaschen gefüllt. Pro Tag verlassen rund 40 Lastwagen das Werksgelände in Vals. Sie haben jeweils 24 Paletten mit je 600 bis 800 Litern Wasser geladen. Das macht bis zu maximal 770 000 Liter Wasser pro Tag. 60 bis 70 Prozent davon gehen an Grossverteiler wie Supermärkte, 30 Prozent an Getränkehändler, Gastronomie und Privatkunden.

Genau getaktet zur RhB
Die Lastwagen fahren auf die Minute genau vom Valser Werksgelände, um die Paletten nach Ilanz zu bringen, wo sie auf den Zug verladen werden. Die Rhätische Bahn gibt einen exakten Fahrplan vor: Bis zu vier Züge pro Tag machen sich vom Valser Verteilzentrum in Zizers auf den Weg nach Ilanz und wieder zurück. «Die Strecke ist stark mit Reisezügen befahren», sagt Contardo Blumenthal, Produktmanager bei der Rhätischen Bahn, «deshalb ist die Taktung sehr eng.» In Ilanz fährt der Lastwagenchauffeur direkt an eine Umschlagsrampe neben einem Anschlussgleis. Der Chauffeur kümmert sich auch um den Umschlag: Innerhalb von nur 15 bis 20 Minuten lädt er das Leergut aus den Schiebewandwagen und die vollen Paletten in den Zug. Für Valser Wasser hat die Rhätische Bahn 22 fix zugeteilte Schiebewandwagen im Einsatz. «Das sind rund 4 500 Wagen im Jahr – die etwa 11 000 Fahrten mit Lastwagen sparen», sagt Contardo Blumenthal. Die Gleise führen in Zizers direkt bis ins Verteilzentrum. Hier haben bis zu fünf Schiebewandwagen Platz, von denen aus die Paletten direkt ins Stocklager mit seinen 9 500 Lagerplätzen geladen werden. Mit Leergut beladen, machen sich die Wagen dann erneut auf den Weg in die Berge.

Contardo Blumenthal ist stolz auf die logistische Leistung. Vor allem darauf, dass Lastwagen und Zug genau aufeinander abgestimmt sind: «Im Unterland liesse sich das nie so koordinieren. Dort gibt es zu viele Kreuzungen, Ampeln und Staus.»
Von Zizers aus kommt das Wasser erneut auf Lastwagen und wird so zum Abnehmer transportiert. Doch bis Ende dieses Jahres wird sich einiges bei Valser Wasser ändern. Rafael Hallenbarter, Customer Service & Logistics Manager Coca-Cola HBC Schweiz: «In Zukunft werden wir verstärkt Container einsetzen.» An der Containerverladestelle Schnaus-Strada bei Ilanz werden die Container auf den Tragwagen gehoben, vom Verladebahnhof Domat /Ems geht es dann mit der Normalspurbahn direkt weiter bis zum Abnehmer. Ein wichtiger Schritt zu mehr Nachhaltigkeit, findet Rafael Hallenbarter: «Dann legt unser Wasser nur noch die ersten und vielleicht die letzten Meter auf der Strasse zurück.»