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St. Moritz – wo Wintermärchen wahr werden

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St. Moritz gilt als die Wiege des alpinen Wintertourismus und zählt bis heute zu den Top-Wintersport-Destinationen der Welt. Nicht zuletzt wegen der zahlreichen Wintersport-Weltmeisterschaften, die hier regelmässig stattfinden. So heisst dann auch vom 6. bis 19. Februar 2017 der Austragungsort der alpinen Ski-Weltmeisterschaften bereits zum fünften Mal «St. Moritz». Den Grundstein dieser Erfolgsgeschichte legten zwei legendäre Olympische Winterspiele, die 1928 und 1948 in der aufstrebenden Gemeinde stattfanden.

Die Welt zu Gast in St. Moritz
Kurz vor Beginn der Weltwirtschaftskrise ging St. Moritz 1928 in die Geschichte ein: als erster Austragungsort eigenständiger Olympischer Winterspiele, die nicht in Verbindung mit den Sommerspielen ausgetragen wurden. Für die Veranstaltung scheute man keinen Aufwand: Mit viel Begeisterung bauten die Engadiner legendäre Sportanlagen wie die Olympiaschanze, auf der bis 2006 regelmässig internationale Skisprung-Wettkämpfe ausgetragen wurden, und das Olympiastadion, in dessen Hauptgebäude heute Möbeldesigner Rolf Sachs wohnt. Ausserdem konnten die Engadiner mit bereits vorhandener Infrastruktur auftrumpfen – zum Beispiel mit der berühmten Bobbahn «Olympia Bob Run» von 1904, die gleich vier Weltrekorde aufstellt: Sie ist die längste, schnellste und älteste Bobbahn der Welt und gleichzeitig die weltweit einzige aus Natureis. Auch die Natureisbahn «Crestarun», 1885 erbaut, ist durch und durch ein Unikat: Sie befindet sich unmittelbar neben dem Olympia Bob Run und ist die weltweit einzige Bahn auf der der Cresta-Sport praktiziert wird, der dem Skelton sehr ähnelt. Auch wegen dieser spektakulären Wintersportstätten fanden sich vom 11. bis 19. Februar 1928 fast 40’000 Zuschauerinnen und Zuschauer in St. Moritz ein, als rund 464 Athletinnen und Athleten aus 25 Nationen an den spektakulären Wettkämpfen teilnahmen. Mit Japan war erstmals Asien vertreten, und auch deutsche Sportler durften nach dem Ersten Weltkrieg zum ersten Mal wieder an Olympischen Spielen starten.

Symbol des Friedens
Nach den dunklen Wirren des Zweiten Weltkriegs waren die Olympischen Winterspiele von 1948 weltweit die erste Grossveranstaltung nach zwölfjähriger Pause. Die öffentliche Veranstaltung war ein Hoffnungsschimmer und wurde vom damaligen Bundespräsidenten Enrico Celio in der Eröffnungsrede als ein «Symbol des Friedens, den die Welt erwartet» betitelt. Das Interesse der Weltbevölkerung war gross, und gross war auch die Bedeutung der Spiele für St. Moritz. Der Nobelkurort konnte sich nun definitiv als Wintersport-Destination etablieren. In sechs Sportarten und 22 Disziplinen nahmen 878 Sportlerinnen und Sportler aus 28 Nationen teil. Über 60’000 Zuschauerinnen und Zuschauer pilgerten in den Kurort, und 570 Journalisten aus 38 Ländern berichteten über die Winterspiele in der Schweiz.

Ein Oscar für St. Moritz
Diese Anzahl an Teilnehmenden und Zuschauenden war ohne das Verkehrsmittel Bahn kaum zu bewältigen. Bei den Olympischen Winterspielen hatte die Rhätische Bahn eine Schlüsselfunktion: Sie organisierte Ergänzungswagen und Anschlusszüge, erstellte eine exakte Fahrordnung, plante Weiterleitungen und druckte neue Fahrpläne. Auch heute – rechtzeitig in Vorbereitung auf die Ski-WM 2017 – beteiligt sich die RhB aktiv am Umbau des Bahnhofs in St. Moritz. Im Anschluss an die beiden erfolgreichen Olympischen Winterspiele und nach diversen Wettkämpfen und Meisterschaften war die Wirtschaft in St. Moritz endgültig auf Erfolgskurs. Vor allem im Bereich der Infrastruktur war der Entwicklungsschub deutlich spürbar: Es wurden neue Strassen und Wege angelegt, das Telefonnetz wurde ausgebaut, die Skigebiete besser erschlossen. Dies alles waren beste Voraussetzungen für den touristischen Aufschwung des Kurortes, der bis heute anhält: Seit den Olympischen Winterspielen haben der Wintersportort und diverse Hotels zahlreiche Auszeichnungen und Preise in Empfang genommen – darunter auch den Oscar des Tourismus, den «World Travel Award 2007» für die beste Ski-Destination der Welt.