Albulalinie

Neubau Albulatunnel: Lebensader der RhB

Neubau Albulatunnel: Lebensader der RhB - Albulalinie

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts verbindet er Preda auf der Nordseite des Albulapasses mit Spinas im südlich gelegenen Val Bever: Der Albulatunnel ist die Lebensader der Albulalinie. 2006 wurde der damals schon über 100-jährige Tunnel untersucht, wobei sich zeigte, dass er bezüglich Sicherheit – verständlicherweise – nicht mehr aktuellen Standards entsprach. So starteten im März 2015 die Hauptbauarbeiten für den neuen Albulatunnel.

Knochenharte Arbeit war das damals, anfangs des 20. Jahrhunderts, als Mineure mit Pickeln und Schaufeln den Albulatunnel ausbrachen. Von 1898 bis 1903 – also in nur fünf Jahren – kämpften sich 1 316 Männer fast sechs Kilometer durch den Berg. 21 Arbeiter verloren dabei ihr Leben. Die Eröffnung des 7,3 Millionen Franken teuren Projekts war Beweis einer ingenieurtechnischen und kräftezehrenden Meisterleistung.

Instandsetzung oder Neubau?
Mehr als 100 Jahre später zeigt der eindrucksvolle Albulatunnel aber Alterserscheinungen: Eis, Wasser, Frost und der Druck des sich auftürmenden Gebirges haben dem Bauwerk zugesetzt. Eine Untersuchung aller Tunnel durch die RhB-Verantwortlichen im Jahr 2006 brachte zutage, dass die Substanz des Albulatunnels vielerorts in schlechtem Zustand ist und der Tunnel nach über 100 Betriebsjahren erneuert und bezüglich Sicherheit auf den neuesten Stand gebracht werden muss. Doch wie? Den alten Tunnel instand setzen oder besser einen neuen bauen? Eine Expertengruppe aus Ingenieuren, Geologen, Umweltspezialisten und Verantwortlichen des UNESCO Welterbes arbeitete vier Jahre lang an einem Plan zur Sanierung dieser wichtigen Transitverbindung. Die Rhätische Bahn prüfte beide Varianten eingehend und entschied sich schliesslich 2010 für den Bau eines neuen Meterspurtunnels. Ausschlaggebend dafür waren der relativ geringe Kostenunterschied, kaum fahrplanrelevante Einschränkungen während der Bauphase auf der Strecke Chur, St. Moritz und Tirano sowie das wesentlich höhere Sicherheitsniveau eines Neubaus. So erfolgte am 25. Juni 2014 der Spatenstich für den 345 Millionen teuren neuen Albulatunnel. Eröffnet wird die neue, ebenfalls knapp sechs Kilometer lange Röhre im Jahr 2021. Baustellenführungen und eine Infoarena vermitteln in der Zwischenzeit alles Wissenswerte rund um den Tunnelbau.

Ein Berg wird eingefroren
Heute verlangt der Tunnelbau nicht mehr so viel pure Manneskraft wie vor über 110 Jahren: Rund 90 Tunnelarbeiter werden im Einsatz stehen. Doch Herausforderungen gibt es nach wie vor. Insbesondere die Raibler-Rauwacke, ein sehr weiches Gesteinsmaterial, verlangt nach kreativen Lösungen. Beim Bau des ersten Tunnels stand die Baustelle ganze neun Monate still, weil grosse Wassermassen diese lockere Felsmasse in feinen Schlammsand zerfallen liessen und es kein Vorwärtskommen mehr gab. Heutzutage lässt sich diese Gefahr eindämmen: Die weiche Gesteinsschicht kann mittels Injektionen verfestigt werden. An jenen Stellen, wo sich besonders viel Wasser im Gebirge befindet, wird der Berg – man lese und staune – eingefroren. Dies geschieht mit vorgängig eingebauten Gefrierrohren und Kühlaggregaten, die das Wasser gefrieren lassen und damit den gesamten Gebirgsbereich verfestigen und abdichten. Trotzdem wird auf diesem rund 130 Meter langen Teilabschnitt nicht wie beim übrigen Albulatunnel gesprengt, sondern mechanisch mit dem Abbauhammer gearbeitet.

Aus altem Verkehrsweg wird neuer Sicherheitstunnel
Und was passiert mit dem alten Albulatunnel? Dieser bleibt als Zeitzeuge bestehen. Sobald der neue Albulatunnel 2021 in Betrieb genommen wird, hat der alte Tunnel als Verkehrsweg ausgedient und wird zu einem Sicherheitstunnel umgebaut. Das neue Sicherheitskonzept am Albulatunnel basiert dann auf dem Prinzip der Selbstrettung: Im Notfall können die Fahrgäste dank zwölf Querverbindungen zum Sicherheitstunnel die Unfallstelle unverzüglich verlassen.

Bauarbeiten im UNESCO Welterbe-Gebiet
Der Albulatunnel ist seit 2008 Teil des UNESCO Welterbes. Damit das auch in Zukunft so bleibt, arbeitete die RhB bei der Planung des neuen Tunnels mit der Denkmalpflege des Kantons und des Bundes zusammen. Ein Masterplan hält fest, wie mit der historischen Bausubstanz und den neu eingefügten Bauten umgegangen wird. Grossen Wert legt die Bahn auch auf eine nachhaltige Bauweise: Die Erschliessung der Baustellen erfolgt zu einem grossen Teil per Bahn, wofür auf beiden Tunnelseiten ein Baubahnhof erstellt wurde. Zudem findet ein Grossteil des anfallenden Ausbruchmaterials neue Verwendung: Es dient als Rohstoff für die Beton- und Schotterproduktion. Und nicht zuletzt legt die RhB besonderes Augenmerk auf den Schutz von Flora und Fauna: Eine von vielen Naturschutzmassnahmen ist die Umsiedlung der heimischen Kreuzottern, damit diese von den Arbeiten in ihrem Lebensraum nicht gestört werden.

Ein Tunnel, der Weichen stellt

Ein Tunnel, der Weichen stellt

Am Albulatunnel II kommt man den Bauarbeitern ganz nah: Die Rhätische Bahn bietet gemeinsam mit dem Bahnmuseum Albula Führungen über das Gelände der Baustelle an. Selbstverständlich stilecht inklusive Helm und Warnweste.