Bernina Express

In sicheren Händen: bei Buschauffeur Renato Borri

In sicheren Händen: bei Buschauffeur Renato Borri - Bernina Express

Der Blick ist konzentriert auf die Strasse gerichtet, während die Hände flink das Steuer hin und her bewegen: Geübt lenkt Renato Borri den Bernina Express Bus samt den 48 Passagieren in gut drei Stunden von Tirano durchs Veltlin, entlang des Comer Sees und durch enge Uferstrassen bis nach Lugano.

Vom Gletscherglitzern der Berge auf dem Ospizio Bernina bis tief hinab ins Palmenparadies Italiens: Der Bernina Express verbindet auf seinem Weg von Chur nach Tirano den Norden Europas mit dem Süden, schlägt Brücken zwischen Sprachregionen und Kulturen. Auf dem Bernina Express Bus, der die Reise von Tirano bis Lugano weiterführt, ist das nicht anders: Der Tessiner Buschauffeur Renato Borri spricht Schweizerdeutsch und Italienisch, seine Gäste an diesem Tag auch Deutsch, Französisch, Englisch und Japanisch. Sie alle begeben sich für die nächsten drei Stunden in die Obhut des Buschauffeurs, der die Strecke inzwischen in- und auswendig kennt: «Ich fahre seit sechs Jahren fast täglich diesen Weg von Lugano nach Tirano und wieder retour», erzählt Renato Borri auf Schweizerdeutsch – mit wunderbarem italienischem Akzent, wie es sich für einen Tessiner gehört.

«Passiert ist mir noch nie etwas. Manchmal muss halt ein anderes Auto ausweichen oder zurücksetzen.»
Renato Borri

Einsteigen bitte!
Wenn die Buspassagiere in Tirano zusteigen, hat Renato Borri bereits eine dreistündige Fahrt hinter sich: Morgens um 10 Uhr ist er mit dem roten Bernina Express Bus in Lugano gestartet, damit er seine Passagiere rechtzeitig zum Zmittag nach Tirano bringt. Nach der wohlverdienten Pause an der italienischen Sonne geht die Arbeit für ihn wieder los. Sorgfältig – damit auch ja niemand vergessen geht – kontrolliert Borri die Reservationsbestätigungen aller 48 Gäste, die heute von Tirano nach Lugano reisen wollen. Die mehr oder minder grossen Taschen und Koffer verschwinden im Laderaum. Sobald alle Reisenden ihren Platz gefunden haben, begrüsst Renato Borri seine neuen Mitfahrenden – auf Deutsch und Italienisch, auf Wunsch der Gäste anschliessend auch auf Englisch und Französisch. Hut ab vor diesem Sprachtalent! Doch der Buschauffeur winkt ab: «Ich kann auf Englisch und Französisch nur gerade diese Begrüssung, viel weiter reichen meine Sprachkenntnisse da nicht», sagt er lachend. Dann geht die Fahrt los, Konzentration ist gefragt. Ab und zu gibt es über Lautsprecher eine kleine Erläuterung zu den Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke; den Fahrer jetzt in ein langes Gespräch zu verwickeln, ist aber nicht erlaubt.

Weinreben, Uferstrassen und Haarnadelkurven
Als Erstes geht die Reise durch das malerische Veltlin, das sich besonders aufgrund seines Weines einen Namen gemacht hat. Hier, im unteren Teil des Veltlins, verläuft das Tal breit und bietet Raum für weitläufige Weinberge, wo hauptsächlich die Nebbiolo-Traube angebaut wird. Nach rund anderthalb Stunden erreicht die Gesellschaft Sorico, ein kleines Dorf am nördlichsten Zipfel des Comer Sees. Zeit für eine kurze Pause und eine Erfrischung. «In 15 Minuten geht es weiter», lässt Renato Borri verlauten. Selbstverständlich dauert es länger, bis alle Reisenden wieder abfahrbereit im Bus sitzen. Ob er noch nie einen Gast verloren habe? «Wo  Sie hin! Noch nie. Schliesslich werden alle Sitzplätze kontrolliert, bevor wir weiterfahren.» Der nächste Streckenabschnitt führt den roten Bus dem Ufer des Comer Sees entlang, der Blick schweift über kleine Buchten und verträumte Fischerdörfer. Doch dann ist es vorbei mit dem Träumen. Bei Menaggio biegt die Strasse nach links ab – und der heikelste Teil der Fahrt beginnt: Der Bernina Express Bus kämpft sich Haarnadelkurve um Haarnadelkurve vorwärts und Renato Borri hat mit seinem Lenkrad buchstäblich alle Hände voll zu tun. Doch der langjährige Buschauffeur meistert auch die schwierigen Passagen souverän: «Wir absolvieren  Jahr ein Fahrtraining. Damit sind wir auf ziemlich alle möglichen Vorfälle gut vorbereitet.» Ein lautes Hupen lässt anderen Verkehrsteilnehmer wissen, dass da ein grosses Gefährt auf dem Weg ist – und weckt auch beim letzten Fahrgast die müden Lebensgeister. «Passiert ist mir noch nie etwas», erzählt Borri. «Manchmal muss halt ein anderes Auto ausweichen oder zurücksetzen.» Entlang den Uferstrassen des Luganersees wird die Fahrt wieder ruhiger und schon kurz nach dem Zoll wird die Umgebung wieder städtischer. Das heutige Ziel ist erreicht: Lugano.

Feierabend? Noch nicht ganz …
Wenn alle Koffer ausgeladen und alle Passagiere verabschiedet sind, nein, dann hat Renato Borri noch keinen Feierabend. «Ich wohne etwa 30 Minuten ausserhalb von Lugano – und da muss auch mein Bus in die Garage. Dort wird er dann für die Fahrt von morgen wieder auf Vordermann gebracht.» Um 10 Uhr morgens startet in Lugano die nächste Rundfahrt für Borri, dann mit 48 anderen Gästen. «Ob mich die Strecke nie langweilt? Nein, überhaupt nicht. Erstens bin ich einfach wirklich sehr gerne Busfahrer – und zweitens gefällt mir die Aussicht auf dem Weg von Lugano nach Tirano und retour jeden Tag aufs Neue.»

Bernina Express Bus: Tirano - Lugano

Bernina Express Bus: Tirano - Lugano

Von Tirano aus beginnt die Reise durch das malerische Veltlin. Berühmt ist die italienische Talschaft für ihre Weine. Der Blick schweift über malerische Buchten und verträumte Fischerdörfer während die Fahrt am Ufer des Comersees entlangführt. Die engen Uferstrassen des Luganersees begleiten uns bis in die Schweiz und unseren Zielort, Lugano.