Kultur

Grosser Auftritt für die RhB: «Heidi» kommt in die Kinos

Grosser Auftritt für die RhB: «Heidi» kommt in die Kinos - Kultur

Am 10. Dezember startet die neuste Version eines Schweizer Klassikers in den Kinos: «Heidi». Neben Schauspiel-Grössen wie Bruno Ganz spielt auch die Rhätische Bahn eine Hauptrolle – die Dampflok «Albula» hat ihren grossen Auftritt passenderweise am Bahnhof Stuls.

Der Extrazug mit Krokodil- und Dampflok sowie drei historischen Wagen hat sein Ziel am Bahnhof Stuls erreicht. Dampfend nimmt er seinen Platz ein; direkt neben einem Bahnhofsgebäude, das soeben aus Heidis Zeit entsprungen zu sein scheint. Es zischt und brodelt, bis die Lok stillsteht. Dann ist es ruhig. Zu hören sind nur noch  die rund 100 Personen, die hektisch von einem Punkt zum anderen huschen, Kabel und Kameraschienen verlegen, Sicherheitswesten verteilen, Fahrmasten mit Holz einkleiden oder dem Make-up der Schauspieler den letzten Schliff verleihen. Hier soll nun die Erfolgsgeschichte «Heidi» weitergehen – und vor allem authentischer werden. Dunkel-gelockt steht es da, unser Heidi – so, wie es jeder kennt, von der Schweiz bis nach Japan. Ob aus dem Schwarzweiss-Klassiker von 1952 des italienischen Regisseurs Luigi Comencini, aus der Verfilmung von Franz Schnyder aus dem Jahr 1955 oder aus der japanischen Animeserie der 1970er-Jahre.

Heidi – besser als Schweizer Schokolade

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Eine Dampflok mit weniger Dampf, bitte!
Rund fünf Jahre hat Drehbuchautorin Petra Volpe («Traumland») am Skript gearbeitet. Im Gegensatz dazu scheint die Zeit, die 25 Crew-Mitglieder brauchten, um den Drehort Latsch ins 19. Jahrhundert zurückzuversetzen, richtig kurz: drei Wochen. Sie patinierten Häuser- und Stallfassaden, bauten die Strassenbeleuchtung ab und pflanzten Gärten mitten im Dorf um. Zum krönenden Abschluss wurden zwei riesige Lasterladungen voll Dreck – eine Mischung aus Rindenmulch, Torf und Sand – am Set verteilt, um das Dorf so ärmlich erscheinen zu lassen, wie Bergdörfer Ende des 19. Jahrhunderts aussahen. Auch die Filmcrew rund um Alain Gsponer hatte eine monatelange Vorbereitungszeit hinter sich. Das Team hatte hohe Ansprüche, wollte nichts dem Zufall überlassen und arbeitete unter Hochdruck. Lukas Hobi, Produzent von Zodiac Pictures, zieht Bilanz: «Die Dreharbeiten in den Schweizer Bergen waren für Team und Schauspieler eine enorme Herausforderung, aber der Aufwand hat sich gelohnt!»

Tatkräftige Unterstützung bei den Szenen am Bahnhof oder im Zug bekam das Team von der Rhätischen Bahn. Nach monatelanger Vorbereitung machten die Mitarbeitenden der RhB auch am Drehtag für die Crew das Unmögliche möglich: Sie platzierten gelagerte Schienen mit dem Kran um, kleideten Fahrleitungsmasten mit Holz ein, bestellten Extrazüge und nahmen etliche Rangiermanöver vor. Die Lokführer Max Weibel und Armin Brüngger rangierten die Waggons hin und her, damit Zug und Schauspieler in ein optimales Licht gerückt werden konnten: zwei Meter vor und wieder zurück, in den Bahnhof einfahren und den Bahnhof wieder dampfend verlassen. (Fast) jeder Wunsch wurde erfüllt, nur einer nicht: eine Dampflok, die weniger Dampf produziert. Das hätte nämlich dem Regisseur das kostenintensive und mühsame Retuschieren der modernen Fahrleitungen erleichtert.

Heidi – Botschafterin beständiger Werte

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Heidi ist die erfolgreichste Markenbotschafterin der Schweiz – das hat man natürlich auch im Bündnerland schon längst erkannt. Nur: Bis heute ist man geteilter Meinung darüber, wo Heidi denn nun wirklich herstammt – aus der Bündner Herrschaft oder vielleicht doch eher aus dem Engadin?