Albulalinie

Ein Tunnel, der Weichen stellt

Ein Tunnel, der Weichen stellt - Albulalinie

Diese Jahrhundertbaustelle interessiert nicht nur Bahnfans: Beim Bauprojekt Albulatunnel II bietet die Rhätische Bahn in Zusammenarbeit mit dem Bahnmuseum Albula in Bergün öffentliche Führungen an. Bis der Tunnel eröffnet wird, erklären in  Preda erfahrene Baustellenführer das Pionierprojekt der RhB.

«Besonders freue ich mich über die leuchtenden Augen der Kinder, wenn sie voller Stolz in den grell-gelben Sicherheitswesten und mit orangenen Helmen ausgerüstet die Baustelle bestaunen», erzählt Werner Haas, einer der rund 15 Baustellenführer. Doch nicht nur Kinderaugen spricht das Angebot an: «Die Teilnehmenden kommen aus allen Altersgruppen und Bevölkerungsschichten: vom kleinen Eisenbahnfan in elterlicher Begleitung über Medienschaffende bis hin zu Bahninteressierten und Pensionierten.» Werner Haas ist mehr als zufrieden mit dem grossen Interesse an der Jahrhundertbaustelle; mit viel Begeisterung führt er die Besucher sicher über das Gelände. «Jede Führung ist anders, und es ist uns immer wieder eine Freude, die Besucherinnen und Besucher kennenzulernen.»

Mit dem Maulwurf «Kobali» auf Erlebnistour
Beim Nordportal des Albulatunnels der Rhätischen Bahn in Preda wurde am 20. Juni 2015 die Infoarena Albulatunnel eröffnet. Gross und Klein erhalten hier jeweils vom 1. Juli bis am 30. September Einblicke in die Welt des Tunnelbaus: Eine 165 Meter lange, interaktive Wand verwandelt die momentan grösste Baustelle der RhB in eine Erlebnisplattform und klärt über den Stand der Bauarbeiten auf. Für die Erwachsenen stehen Erlebnis- und Informationsstationen bereit sowie ein Inforaum für weitere Einblicke und Filme. Für die Kinder hat die RhB ganz spezielle Erlebnisstationen kreiert, bei denen sie zusammen mit dem Albulatunnel-Maskottchen «Maulwurf Kobali» unter anderem an «Sprengstationen» arbeiten, den Krabbeltunnel entdecken oder Lokomotive fahren. Ein weiteres Highlight sind die persönlichen Sprenglochbotschaften, welche die Besucher des Tunnelprojekts für das Team hinterlassen können. So wünscht Andreas: «Der ganzen Crew erfolgreiche und unfallfreie Jahre!» Diese Botschaften und Wünsche werden jeden Tag gescannt und auf der Facebook-Seite der RhB veröffentlicht.

Eine Baustellenführung neu inszeniert
Seit dem Beginn der Führungen im Juli 2015 haben sich schon mehr als 600 Besucherinnen und Besucher durch den speziell von der RhB angelegten und gesicherten Besichtigungsweg führen lassen. Es ist ein aussergewöhnliches Erlebnis, auf dieser 350 Meter langen, dynamischen Grossbaustelle Einblicke in eine Welt zu gewinnen, die normalerweise nur für die Bauarbeiter zugänglich ist. «Mit dem eigenen Kies- und Betonwerk sowie einer spektakulären Förderbandanlage wird im Vollbetrieb ab 2016 ein Optimum an Transportlogistik geschaffen», sagt Baustellenführer Haas und führt weiter aus: «In der Deponie ‹Las Piazzettas› kommen mit Hilfe der Bahn und dem Förderband Ausbruchsmaterial von den beiden Baustellen in Preda und in Spinas an. Verbunden mit einem steuerbaren Kreislaufsystem aus Förderbändern kann Ausbruchsmaterial im Kieswerk aufbereitet und im Betonwerk verarbeitet werden, was nicht nur ökologisch sinnvoll ist, sondern auch den Arbeitsablauf erheblich vereinfacht, da der fertige Beton mit dem Förderband an die benötigte Stelle im Tunnel transportiert wird. Vor Ort können wir Baustellenführer die Komplexität und Herausforderungen dieses Projektes anschaulich erklären».

90 versus 1 300
Die Weichen für diese Jahrhundertbaustelle sind also gestellt. Und dennoch gibt es trotz dem grossen Einsatz des Teams noch viel zu tun für die rund 90 Facharbeiter und Maschinenführer. Erholen können sie sich in den 90 Einzelzimmern, die speziell für sie in einem zweistöckigen Holzgebäude in Preda erstellt wurden. Auch eine Kläranlage wurde in Preda gebaut. Was für ein Komfort im Vergleich zu anno 1901, wo insgesamt 1 316 Arbeiter am und im Tunnel sowie auf den zwei Bauplätzen in Preda und Spinas arbeiteten. Der neue Albulatunnel wird voraussichtlich im Jahr 2021 dem regulären Fahrbetrieb übergeben. Von November bis März werden die Bauarbeiten zeitweise eingestellt, weil die tiefen Temperaturen auf 1 800 Metern über dem Meer einen geregelten Arbeitsablauf nicht zulassen. In diesem Zeitraum sind auch keine Führungen über die Baustelle möglich.

Infos zu den Baustellenführungen
Die Führungen finden jedes Jahr zwischen dem 1. Juli und dem 30. September mittwochs um 10.45 Uhr und sonntags um 13.45 Uhr statt. Sie dauern rund 90 Minuten, werden auf Deutsch gehalten und kosten 5 Franken pro Person. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt, deshalb ist eine Anmeldung erforderlich: Telefon: +41 81 420 00 06 oder E-Mail: albulatunnel@bahnmuseum-albula.ch . Dabei sein können alle, die älter als sechs Jahre sind (Kinder zwischen 6 und 12 Jahren müssen in Begleitung eines Erwachsenen sein). Die Führungen finden bei jeder Witterung statt. Gutes Schuhwerk ist obligatorisch, und wetterfeste Kleidung wird ebenfalls empfohlen. Führungen für Gruppen sind von Anfang Mai bis Ende Oktober täglich zu den Öffnungszeiten der Infoarena möglich, also zwischen 8.00 und 20.00 Uhr. Sie dauern ebenfalls etwa 90 Minuten, können mit maximal 20 Personen durchgeführt werden und kosten pro Gruppe 85 Franken. Die Gruppenführungen können auf Deutsch, Italienisch, Romanisch, Französisch und Englisch unter den oben genannten Kontaktdaten gebucht werden.