Glacier Express

Ein guter Tropfen – oder zwei...

Ein guter Tropfen – oder zwei... - Glacier Express

Augenschmaus und Gaumenfreude: Eine Fahrt im Glacier Express bietet beides. Während vor den Panoramafenstern das Albulatal und die Rheinschlucht vorbeiziehen, wird drinnen allerlei Gluschtiges aufgetischt. Und dazu gehört auch ein gutes Glas Rotwein oder ein spritziger Schaumwein – aus der Region, versteht sich.

Kurz vor Fläsch biegt die Strasse rechts ab und das herrschaftlich anmutende Anwesen erscheint, umringt von Weinreben: das Weingut Davaz. Hier wohnt und arbeitet Andrea Davaz, Winzer und Weintechnologe – sowie Präsident der von Salis AG, einem Zusammenschluss von Weinmachern und Weinhändlern. Wer schon im Glacier Express gereist ist und sich ein Glas Wein gegönnt hat, kostete mit grosser Wahrscheinlichkeit den edlen Traubensaft von ihm oder einem seiner Mitstreiter: Auf der Karte des berühmten Panoramazuges sind gleich drei «von Salis»- und ein «Davaz»-Wein vertreten. Darunter auch der rote Hauswein des Glacier Express, der markante «Glacier Express Blauburgunder» aus dem Hause von Salis.

«Ich fühle mich sehr wohl in der Rolle als Weinbauer.»
Andrea Davaz

Lehrgeld bezahlt
Die Brüder Andrea und Johannes erbten das Weingut Davaz 1990 von ihren Eltern, welche die Zukunft ihres Hofes bereits im Wein und nicht in der Landwirtschaft erkannt hatten. Sehr interessiert an Reben und Wein, liessen sich die beiden Brüder nicht nur als Winzer und Weinküfer ausbilden, sondern auch als Ingenieure der Weinkunde: «Wir kennen unser Geschäft – vom ersten Rebpflänzchen bis zum letzten Tropfen in der abgefüllten Flasche», so Andrea Davaz. Schon bald wurde es den Brüdern auf dem heimischen Gut aber zu eng und sie kauften sich einen grösseren Spielplatz: ein Weingut in der Toskana, samt 40 000 abgefüllten Weinflaschen. «Davon haben wir dann gerade mal 1 400 Flaschen verkauft – Ziel nicht erreicht», erinnert sich Davaz. «Wir merkten, dass wir vom Weinhandel keine Ahnung hatten und gründeten – sozusagen als Übungsfeld – 1994 unsere eigene Weinhandlung: die von Salis AG.» Mehr als 20 Jahre später beschäftigt von Salis 20 Mitarbeitende in Landquart und gilt als Marktführer in der Umgebung. Das Weingut in der Toskana, übrigens, wird noch heute mit Erfolg von Johannes Davaz geführt.

«Für guten Wein muss man konsequent und sorgfältig arbeiten.»
Irene Grünenfelder

Schaumwein aus der Bündner Herrschaft
Erfolgreich ist auch Winzerin Irene Grünenfelder, deren Weine von Salis übrigens auch im Sortiment führt. Ihr Ein-Frau-Betrieb – das Weingut Eichholz – liegt zwischen dem Weingut Davaz und der Weinhandlung von Salis in Jenins. Hier hegt und pflegt Irene Grünenfelder seit rund 20 Jahren ihre Weinreben, vor allem Pinot Noir. Sie sei zu ihrem Weingut gekommen wie die Jungfrau zum Kinde, erzählt sie: «Ich war Primarlehrerin und Journalistin beim ‹Tagblatt›. Hätte ich meinen späteren Mann nicht kennengelernt, wäre ich wohl nie darauf gekommen, Weinbäuerin zu werden.» 1993 übernahm sie den einstigen Bauernhof ihrer Schwiegereltern, pflanzte auf dem sozusagen jungfräulichen Boden Reben und übte sich fortan in der Kunst des Weinbaus – zwei Jahre später kelterte Irene Grünenfelder ihren ersten Wein. Heute werden ihre Weine in den höchsten Tönen gelobt. Ihr Geheimnis? «Wichtig ist sicher ein Flair für die Pflanzen und die Kelterei. Und man muss jeden Tag konsequent arbeiten und sich sorgfältig um seine Reben kümmern!» Diese ganze Arbeit macht die Bündnerin praktisch im Alleingang. Im Sommer und während der Erntezeit habe sie Helfer, weil es alleine schlicht nicht zu schaffen wäre. «Und ist die Arbeit draussen getan, wartet am Abend noch das Büro. Es sind mehr als 100 Prozent. Aber ich würde nicht mit meinem alten Beruf tauschen wollen.» Und das ist auch gut so: für Liebhaber von Bündner Weinen und für die RhB, die ihre Glacier-Express- Gäste mit einem Schaumwein vom Weingut Eichholz anstossen lässt. Grünenfelders «Crémant», bestehend aus Pinot Noir und Chardonnay, basiert auf der klassischen Flaschengärung: «Die zweite, mehrmonatige Gärung findet in der Flasche statt – wie das beim Champagner auch der Fall ist.»

Das Geschäft trägt Früchte
Genügend Zeit brauchen aber nicht nur guter Wein und Schaumwein, auch der Weg zum Erfolg verlangt meist viel Geduld. Der Aufbau der Firma von Salis sei mit sehr viel harter Arbeit verbunden gewesen, 15 Jahre hätten sie investiert und lange kaum Geld gesehen, sagt Andrea Davaz. Heute freut er sich darüber, dass er selbst dank dem neuen Geschäftsführer Daniel Hürbi wieder verstärkt Weinbauer auf seinem eigenen Gut sein darf – und über die Vorteile, die von Salis als Nummer eins geniesst: «Wir sind die erste Anlaufstelle für die Winzer aus dem Bündnerland und erhalten von rund 80 Weinbauern aus der Umgebung Trauben, die bei uns zu Wein verarbeitet und unter dem ‹von Salis›-Label vertrieben werden.» Ihr grosser Pluspunkt sei, dass sie selbst noch immer Winzer seien. Das erhalte das Vertrauen. «Wir arbeiten vor allem mit kleineren Weinbauern zusammen. Solche Lieferanten bleiben – grössere wollen rasch zu Coop wechseln, wenn nur einmal die Absatzzahlen nicht ganz so hoch sind.» Auch diverse Winzer aus der übrigen Schweiz und rund 60 Weinbauern aus aller Welt sind Teil des «von Salis»-Angebots. Damit kann sich das Sortiment sehen lassen: Zur Auswahl stehen Riesling-Silvaner, Pinot Blanc, Sauvignon Blanc, Pinot Gris, Chardonnay, Blanc de Noir und Pinot Noir. Ein solcher ist auch der «Glacier Express Blauburgunder», ein Wein «mit Noten von roten Beeren und Kirschen, warmer Struktur, weichen Tanninen und einem langen Fruchtfinale». Die Bündner Herrschaft gelte als das Pinot-Noir-Terroir der Schweiz, sagt Davaz: Die Zone sei warm, aber nicht zu heiss, und biete im Herbst kühle Nächte – das sei wichtig für die Qualität der dünnhäutigen Pinot-Noir-Traube. Und Qualität ist oberstes Gebot: Denn wenn vor den Fenstern des Glacier Express die Höhepunkte des Kantons vorbeiziehen, ist für die Zugreisenden auch drinnen nur das Beste aus heimischen Gefilden gut genug.

Weinwanderung durch die Bündner Herrschaft

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