Was machen eigentlich ...

... die Bewohner von Isola im Winter?

... die Bewohner von Isola im Winter? - Was machen eigentlich ...

Der Name lässt es vermuten: Isola liegt abgeschieden am Rande des Silsersees. Im Sommer führt eine Forststrasse in das kleine Dorf im Oberengadin. Im Winter erreicht man es lediglich zu Fuss oder mit den Langlaufski. Den einzigen vier ständigen Bewohnern von Isola macht das nichts aus. «Isola ist der schönste Ort der Welt», sagt Bettina Pedroni-Cadurisch mit einem lauten Lachen.

Die 25-Jährige hat fast ihr ganzes Leben lang in Isola verbracht. Ihr Vater Fluri kam 1990 ins Dorf, um den Stall einer Geissenzüchterin zu reparieren. «Meine Eltern blieben einfach und übernahmen den Betrieb», erzählt Bettina Pedroni-Cadurisch. Der Bündner und seine Frau Vreni passten sich schnell an das Leben abseits viel befahrener Strassen an: Für grössere Einkäufe und Notfälle hatten sie im Winter einen Motorschlitten. Die Eltern bewegten sich als begeisterte Langlauf- und Schneesportlehrer viel lieber selbst und benutzten den Schlitten nur selten. Mehr noch, sie hatten nicht einmal ständig einen Schlitten auf dem Hof. Bettina Pedroni-Cadurisch hält es heute genauso. Inzwischen hat sie mit ihrem Mann Diego die Geissenzucht sowie Käseproduktion übernommen; ihre Söhne Davide und Dario wachsen mitten in der Natur auf. Und wo kauft die Familie ein? Das ist nur im Frühjahr etwas mühsam, wenn die Strassen noch trocknen müssen und der See bereits eisfrei ist. Dann muss man sich gut organisieren und auch mal Lebensmittel für sechs Wochen im Haus haben. «Ansonsten sind wir im Sommer mit dem Rad in 15 Minuten in Sils und in 20 Minuten in Maloja.» Im Winter werden die Wege noch kürzer: In 15 Minuten ist man über den gefrorenen Silsersee nach Plaun da Lej gelaufen, dort steht das Auto der Familie, und einen Bus gibt es auch. Und dann wären da noch die Langlaufski. «Meine jüngere Schwester und ich sind schon auf Ski in den Kindergarten gefahren», sagt Bettina Pedroni- Cadurisch und fügt schmunzelnd hinzu: «Aber wir hatten zwei Hunde, die haben uns ab und zu gezogen.» Ihre eigenen Kinder werden Chindsgi und Schule in Maloja besuchen – und mit dem Velo, zu Fuss oder eben auf Ski anreisen.

Warten auf die Zicklein
Im Winter kommen in Isola weniger Touristen vorbei – umso wichtiger ist es, dass sich Bettina Pedroni- Cadurisch um die Vermarktung der Käseprodukte kümmert. Wenn ihr die Zeit bleibt, arbeitet sie als Langlauflehrerin. Ausserdem wollen die Tiere versorgt sein: Die Familie verfüttert Heu an die Geissen sowie die zwei Esel und zwei Pferde, die ebenfalls auf dem Hof leben. Und die Buben warten derweil gespannt auf die Zicklein, die zwischen Januar und April zur Welt kommen. Aber vermissen die Kinder es nicht, mit ihren Gspändli Schneemänner zu bauen und im Sommer über Wiesen zu toben? Bettina Pedroni-Cadurisch erinnert sich an ihre eigene Kindheit: «Im Sommer gab es auch andere Bauern und Kinder, die im Dorf lebten. Da war meiner Schwester Irene und mir eigentlich nie langweilig.» Sie hält einen Augenblick inne und fügt hinzu: «Es war sehr schön, hier aufzuwachsen. Ein Traum.»