Tradition

Auf Spurensuche: Sgraffito-Kunst im Unterengadin

Auf Spurensuche: Sgraffito-Kunst im Unterengadin - Tradition

«Sgraffiti» nennt sich das Kunsthandwerk, das zum unverwechselbaren Charme des Engadiner Dorfbilds beiträgt. Seit der Blütezeit der Sgraffito-Kunst Mitte des 17. Jahrhunderts bis Mitte des 18. Jahrhunderts sind viele Ritzzeichnungen durch Wettereinflüsse, Ab- und Umbauten verschwunden. Wer sich dennoch auf die Reise zu den Ursprüngen der Sgraffiti begibt, wird auf der Unterengadiner Südterrasse fündig: Die Spurensuche beginnt im Schellenursli-Dorf und endet in einem Bündner Freilichtmuseum.

Die Anreise mit der Rhätischen Bahn führt durch die tiefen Schluchten der Bündner Berglandschaft zu den saftigen Wiesen des Inn-Tals. Dort liegt eines der schönsten Dörfer dieser Gegend, Guarda. Der Bahnhof befindet sich gut dreissig Gehminuten unterhalb des Dorfkerns; ein Postauto verkehrt im Halbstundentakt ab dem Bahnhof zur Haltestelle «Guarda, cumün». Der Schweizer Heimatschutz prämierte das Dorf bereits 1975 mit dem Louis-Wakker-Preis für die beispielslose Pflege des Ortsbilds. Dank des bewussten Umgangs mit den uralten Bauernhäusern wurden die Sgraffiti auch seitdem regelmässig restauriert. Im fast vollständig erhaltenen Dorfkern steht die Zeit still: In den verwinkelten Gassen und auf den historischen Fusswegen gibt es viel zu entdecken. Nicht nur die etlichen Fassadenmalereien fallen auf: Wer das berühmte Bilderbuch«Schellenursli» von Selina Chönz und Alois Carigiet kennt, in dem wecken die Häuser, Brunnen und Ecken von Guarda sicherlich Kindheitserinnerungen.

Mit Sicht auf die imposante Bergwelt

Von Guarda führt die Wanderung ostwärts nach Bos-cha. Dies ist ein kleiner Weiler auf der gleichen Höhe wie Guarda, der jedoch bereits zu Ardez gehört. Ab Bos-cha wird der Blick frei auf die Weiten des Unterengadins sowie auf die imposanten Dolomiten, an deren Fuss das Schloss Tarasp thront. Immer im Blick: das Wahrzeichen von Ardez, die Burgruine «Steinsberg». Nach zirka einer Stunde und 20 Minuten spaziert man an den ersten Bauernhäusern von Ardez vorbei.

Ardez: das Freilichtmuseum und Musterdorf des Unterengadins

Eingebettet zwischen den Kristallinmassen der Silvretta und den Unterengadiner Dolomiten liegt Ardez, eines der ältesten Dörfer der Gegend. Nebst der Burgruine «Steinsberg» ist der Ort durch seine Ursprünglichkeit bekannt. Genauso wie Guarda erhielt auch Ardez im Jahr 1975 eine Auszeichnung: Das Dorf wurde im Rahmen des Europäischen Jahres für Denkmalpflege und Heimatschutz als Musterdorf gekürt. Besonders sehenswert ist der historische Dorfkern, der sich seit 1622 kaum verändert hat. Kein Wunder, dass auch heute noch fast jede Ardezer Häuserfassade ein Sgraffito ziert. In den zahlreichen schmucken Gässchen entdecken Besucherinnen und Besucher jede Menge der pittoresken Engadinerhäuser mit den typischen Sgraffiti.

Via Engiadina-Weitwanderweg

In fünf Etappen den Unterengadiner Panoramaweg entdecken – mit organisiertem Gepäcktransport. Das Angebot feiert diesen Sommer das zehnjähriges Bestehen.

Ab CHF 338 / 804 pro Person inkl. 3 bzw. 7 Übernachtungen, Frühstück und Gepäcktransport.