Was machen eigentlich...

...die Schlittenpferde von Arosa im Sommer?

...die Schlittenpferde von Arosa im Sommer? - Was machen eigentlich...

Gemächlich und fast lautlos gleiten die Pferdeschlitten über den Boden, das Hufgeklapper der Pferde wird vom Schnee verschluckt. Leise rieselt der Schnee, während es langsam eindunkelt. «Eine Pferdeschlittenfahrt im Winter ist pure Romantik», ist Kutscher Franz Weinbach überzeugt. «Da hat der Sommer mit seinen Kutschen, wie man sie auch im Unterland kennt, keine Chance!»

Der Arbeitstag als Kutscher beginnt frühmorgens: Schon um halb sieben heisst es Heu und Kraftfutter füttern, damit die Pferde für ihren Kraftakt gerüstet sind. Dann müssen die Ställe ausgemistet werden. Bevor sie vor die Kutsche gespannt werden, dürfen die Pferde auf dem Aussenplatz frei laufen – dann gilt es ernst: Geputzt und gestriegelt stehen Pferde, Kutscher und Schlitten um zehn Uhr am Bahnhof Arosa bereit. Die Kutscher vom Stall Weierhof sind normalerweise bis fünf Uhr nachmittags unterwegs, danach dürfen sich die Pferde nach der Fütterung im Stall erholen. «Auf vorherige Reservation machen wir aber auch Nachtfahrten», sagt Geschäftsführer Koni Strittmatter, der sozusagen auf dem Rücken der Pferde gross geworden ist. Über acht Pferdeschlitten, fünf Kutschen und einen kombinierten Pferdeschlitten verfügt der Stall Weierhof. Dazu kommen im Winter 14 Pferde, wovon jeweils zwölf im Einsatz sind, wie Strittmatter erklärt: «Ein Pferdepaar hat immer Ruhetag – oder wird höchstens als Ersatz eingesetzt.» So können in der Wintersaison bis zu sechs Schlitten durch Arosa gleiten. Da die Pferdeschlitten im Winter teilweise auch über die Skipisten fahren, benötigen die Pferde eine hohe Trittsicherheit: Pferde, die leicht scheuen, unsicher wirken und nicht verkehrssicher sind, sind für Kutschenfahrten nicht geeignet. Anders als im Winter sind im Sommer nur acht bis zehn Pferde im Einsatz. Also sind die Kutschenfahrten im Winter beliebter? «Auf jeden Fall!», so Kutscher Weinbach. «Im Winter fahre ich rund fünf bis sieben Mal pro Tag, im Sommer faktisch nur auf Reservation.» Und was machen dann die Tiere in der warmen Jahreszeit? «Im Sommer bieten wir im Stall Weierhof Geländeritte rund um Arosa und Reitunterricht mit Longe-Stunden an. Für Kinder – oder Erwachsene – ohne Erfahrung gibt es auch die Möglichkeit, einen an der Hand geführten Ausritt zu unternehmen», erzählt Strittmatter.

Vom Metzger zum Kutscher

Franz Weinbach ist schon seit 19 Jahren als Kutscher für den Stall Weierhof im Einsatz. In seinem angestammten Beruf hatte er zwar auch mit Tieren zu tun – aber auf eine komplett andere Art: «Ich war früher Metzger», lacht er. «Zum Kutschenfahren bin ich vor all den Jahren per Zufall durch einen Bekannten gekommen, der damals im Weierhof Kutscher war.» Besonders gut an seiner jetzigen Arbeit gefalle ihm der Umgang mit den Pferden. Weniger schön sei dieser Job hingegen bei schlechtem Wetter: «Schlimm ist es bei Schneesturm im Winter, wenn es bis zu minus 25 Grad Celsius wird! Vor allem, wenn solches Wetter dann mehrere Tage anhält.» Gibt es eine Fahrt, die ihm aus bald 20 Jahren als Kutscher in besonderer Erinnerung geblieben ist? «Die wortwörtlich schönste Kutschenfahrt war eine Fahrt für ein Fotoshooting der damaligen Miss Schweiz Anita Burri und vier Ex-Missen. Das war auf und neben der Piste ein grosses Gaudi!»