Glacier Pullman Express

Die geplatzte Geburtstagfeier

Die geplatzte Geburtstagfeier - Glacier Pullman Express

Er liebt seine RhB – und er weiss zu jeder Lok und jedem Wagen eine Menge zu erzählen. Genauer: Gian Brüngger ist ein Biograph des Wagenmaterials wie kein anderer. Eine besondere Beziehung hat er zu «seinem» Piano-Barwagen.

«Es gibt nichts Vergleichbares – zumindest auf der Meterspur. Dieser Piano-Barwagen ist einzigartig», schwärmt Gian Brüngger. Dieses Bijou – es wurde im Dezember 2010 bei der Rhätischen Bahn wieder in Betrieb gesetzt – ist sein Werk. Sein Bubentraum nämlich hat Form angenommen.

Zuerst am Bernina, dann überall auf dem Netz
Das sollte aber noch eine Zeit dauern, bis es soweit war. Ursprünglich verkehrte der Wagen B4ü 161 – gekoppelt an einen Küchenwagen – nämlich jahrelang auf der Berninastrecke als Speisewagen. Damals war er noch bordeauxrot. Bis er 1943 von der neuen Betreibergesellschaft MITROPA gekauft worden und nach Berlin verfrachtet worden war. Dort wurde eine für damalige Zeit moderne Küche eingebaut. Und damit waren seine Tage am Bernina vorüber. Er gelangte nunmehr auf dem RhB-Stammnetz sowie auf Kompositionen des Glacier Express zum Einsatz. 1991 schliesslich hatte sein letztes Stündchen geschlagen. Er wurde ausrangiert.

Schlauer Schachzug
Und er sollte verkauft werden. Gleich zwei Interessenten rangen um ihn: die Montreux Berner Oberland Bahn (MOB) sowie die Dampfbahn Furka-Bergstrecke (DFB). Die RhB-Oberen machten einen schlauen Schachzug und überliessen ihn der DFB, die ihn jeweils im Sommer zwischen Gletsch und Realp einsetzen wollte. Eines Tages ging der DFB das Geld aus – und schon schlug die RhB zu. Der Wagen kehrte 2002 in die eigenen Reihen zurück und wurde – wieder – zum Salonwagen umgebaut. Die einstigen edlen Sessel sind heute im Bahnmuseum zu Bergün zu bestaunen. Gleichzeitig befand sich auch ein anderer Salonwagen in sehr schlechten Zustand. Und plötzlich tauchte unter den Kennern des historischen Wagenmaterials der RhB – allen voran der legendäre Alby Glatt (er war die treibende Kraft hinter dem heute wieder verkehrenden Glacier Pullman Express) und Gian Brüngger – die Idee eines Barwagens mit Piano auf. Wie aus dem Nichts zauberte Brüngger seine längst angefertigte Skizze aus dem Hut. Und alle waren sie begeistert. Nun ging’s an die Geldsuche. Rasch waren etliche Mittel beisammen, zum Schluss fehlten rund 14'000 Franken. Aus dem Patengeld für die Taufe der Lok Nr. 107 war noch etwas Geld übrig, das die RhB in den Bau des Barwagens steckte. Und die restlichen 4000 Franken erliess sie schliesslich.

««Es gibt nichts Vergleichbares – zumindest auf der Meterspur»»
Gian Brüngger

Der grosse Tag
Eifrig bauten die Fachleute am neuen Pianobarwagen. Der Fahrplan des Marketingstrategen Geni Rohner war klar: Das neue Schmuckstück sollte – symbolträchtig – am 7.7.2007 seine erste öffentliche Fahrt erleben. Ein Tag vorher war eine interne Fahrt vorgesehen, zu Ehren des Vaters des Pianobarwagens, der am 6. Juli gleichen Jahres den 60. Geburtstag feiern wollte. Doch daraus wurde dann nichts. Denn der Bau zog sich in die Länge – weitere drei Jahre, genau genommen. Und Gian Brüngger und seine Frau (die übrigens darob gar nicht so unglücklich war) feierten den Runden in Luino, für sich. Zu zweit.