Gut zu wissen

Die RhB erobert die Welt

Die RhB erobert die Welt - Gut zu wissen

RhB-Dampfloks: unterwegs in fremden Ländern

Das Ende einer Ära: Mit der ersten elektrisch betriebenen Strecke zwischen Bever und Scuol-Tarasp zeichnete sich bei der RhB ab 1913 langsam das Ende des Dampfzeitalters ab. Nach und nach wurden die verschiedenen Strecken des Bahnnetzes elektrifiziert – und auf einmal waren die alten Dampfloks überflüssig. Was tun mit guten Maschinen, die mit teilweise gerade mal elf Betriebsjahren eigentlich noch fast wie neu waren? Die RhB wusste sich zu helfen: In den Jahren 1926 und 1927 verkaufte sie insgesamt 18 Dampflokomotiven an die Thailändischen Staatsbahnen. Dabei handelte es sich um die leistungsstarken Heissdampflokomotiven 112 bis 129 aus der G 4/5-Serie. Vor ihrem Abtransport wurden die Dampfloks in Landquart revidiert, für die Verwendung in Thailand umgebaut, demontiert und dann für den Transport verpackt: Ganze 288 Frachtstücke mit 624 Tonnen Gewicht, verladen auf 44 Normalspurwagen, machten sich alleine für die ersten zwölf Loks auf den Weg ins südostasiatische Königreich. In Thailand freute man sich über die «neuen» Lokomotiven und erweckte einige gar als Schnell- und Schlafwagenzüge zu neuem Leben. Bis 1965 waren die Dampfloks in Thailand zum Teil noch in Betrieb, bevor sie endgültig in den wohlverdienten Ruhestand durften. Die Lok 118 ist als Denkmal in Chiang Mai erhalten geblieben. Doch die RhB-Loks des Typs G 4/5 lernten nicht nur das thailändische Meterspurnetz kennen: Die Loks 101 und 103 reisten 1924 nach Brasilien und waren dort noch bis in den 60er-Jahren in Betrieb, weitere sieben Dampfloks verkaufte die RhB an die spanische Ferrocarril de la Robla, dank derer sie noch bis 1970 in Nordspanien zum Einsatz kamen. Mit dem Verkauf ihrer Dampfloks stellte die RhB nicht nur sicher, dass ihre bestens erhaltenen Maschinen viele weitere Jahre Nutzen brachten, sondern organisierte sich mit dem Erlös auch neue Mittel für die Beschaffung moderner, elektrischer Lokomotiven.

Im Museum – oder wieder in Betrieb

Die elektrischen Loks der ersten Generation, die Ge 4/6, trafen um 1913 bei der RhB ein. Erbaut wurden sie allesamt von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur, ausgerüstet mit Elektronik von der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) oder der Brown, Boveri & Cie. (BBC). Einzig die Lok 391 erhielt eine ausländische elektrische Ausrüstung von der deutschen AEG. Diese ging denn auch sieben Jahre nach ihrer Ausmusterung 1980 an die Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte und wurde Eigentum der AEG. Sie steht heute als Ausstellungsstück im Deutschen Technikmuseum in Berlin. Ebenfalls nach Deutschland geschafft hat es eine Krokodil-Lok der RhB: Die Ge 6/6 I 411, Inbetriebnahme 1925, erfreut seit 2001 zusammen mit dem RhB-Salonwagen As1154 die Besucher des Deutschen Museums in München. Einen Ausflug nach Frankreich machte das «Bernina-Krokodil» Ge 4/4 182, das fast 50 Jahre lang die Berninalinie befahren hatte: Die französische Meterspurbahn «St. Georges-de-Commiers – La-Mure» übernahm 1984 die Lok, setzte sie dann allerdings nie in Betrieb, da die für 1000 Volt Gleichspannung konstruierte Lokomotive nicht an die dortige Betriebsspannung von 2400 Volt angepasst werden konnte. Der bündnerische «Club 1889», der sich für den Erhalt historischer RhB-Fahrzeuge einsetzt, holte die Bernina-Lok 1999 wieder in die Schweiz zurück – ihm ist es zu verdanken, dass sie nach erfolgreicher Restaurierung heute wieder als Nostalgiefahrzeug für Sonderfahrten auf der Berninastrecke eingesetzt werden kann.