«Origen» auf Achse: ein Elefant auf Reisen

«Origen» auf Achse: ein Elefant auf Reisen -

Abul Abbas war ein Elefant. Nicht irgendeiner, sondern ein Geschenk von Kalif Harun ar-Raschid für Karl den Grossen. Giovanni Netzer und sein Ensemble «Origen» erzählen zum RhB-Jubiläum die beschwerliche Reise des Dickhäuters von Bagdad nach Aachen –lange, bevor es eine Alpenbahn gab.

Es muss eine beschwerliche Reise gewesen sein für Abul Abbas. Der Elefant, notabene der erste urkundlich belegte Elefant nördlich der Alpen, soll sich im Jahre 801 mit Isaak, dem Gesandten von Karl dem Grossen, sowie einer Delegation auf den Weg von Bagdad nach Aachen gemacht haben. Im Oktober des gleichen Jahres ist sein Aufenthalt bei La Spezia in Italien belegt. In Vercelli, unweit des Lago Maggiore, blieb man den Winter über. Am 20. Juli 802 schliesslich erreichte Abul Abbas seine neue Heimat. Kaiser Karl, stolz auf seinen Abul, nahm den Elefanten fortan mit auf Reisen. Dessen Dasein währte allerdings nur wenige Jahre. Laut Reichsannalen ist er nämlich im Sommer 810 nach einer Rhein-Überquerung in Lippeham «plötzlich» verendet.

«Der Elefant des Kaisers» beschreibt den Transport des Ungetüms über die Alpen – und zwar aus der Sicht des Elefanten, dem alles neu und fremd ist: die Wintereinbrüche, die Schluchten und Abhänge, die Ausschweifungen des Hofstaats, die Marotten des Kaisers. Daraus entsteht ein musikalischer Bericht mit skurrilen, dramatischen und unterhaltsamen Zügen. Das Publikum reist mit dem Elefanten durch die Bündner Berge: In Le Prese geht es dem Elefanten noch gut, auf dem Bernina meint er zu sterben, in Preda gerät er ins Rutschen, in Filisur watet er durch die Albula und wünscht sich eine Brücke, die stark genug ist, einen Elefanten zu tragen.

Uraufführung: 6. Juni 2014 in den Montagehallen Landquart.
Weitere Aufführungen: 7./8. Juni 2014

 

Vision statt Tunnelblick: Giovanni Netzer

Vision statt Tunnelblick: Giovanni Netzer

Er ist Bündner durch und durch – besser: Savogniner – und doch nicht: Giovanni Netzer, der Vater des Kulturprojekts «Origen». Seit gut zehn Jahren ist der Theologe und Träger des Hans-Reinhart-Rings unterwegs, auf der Suche nach neuen künstlerischen Formen zwischen Tanz, Gesang und Wort. Ein Gespräch in drei Akten.