Was machen eigentlich...

...die Gleitschirmflieger von Davos im Winter?

...die Gleitschirmflieger von Davos im Winter? - Was machen eigentlich...

Fliegen – der Urtraum der Menschheit. Die Gleitschirmflieger von Davos haben sich ihn erfüllt. «Wir fliegen an einem unglaublich schönen Ort», findet Muck Letsch, Inhaber der Luftchraft Flugschule Davos. Mit seinem Gleitschirm legt er in den Bündner Bergen Strecken von 80 bis 100 Kilometern zurück. Nicht nur im Sommer – denn auch im Winter schläft die Thermik selten.

«Graubünden eignet sich perfekt zum Gleitschirmfliegen», weiss Muck Letsch. Grund dafür sind nicht nur geeignete Fluggebiete, sondern auch die geringe Anzahl an Stromleitungen, die den Gleitschirmfliegern das Leben schwer machen könnten. Der gebürtige Zürcher lebt seit 18 Jahren in Graubünden und kennt den Kanton – zumindest von oben – wie seine Westentasche. Als 16-Jähriger nahm er an einem Schnuppertag teil, seither lässt ihn der Zauber vom Fliegen nicht mehr los: «Die Faszination, die das Gleitschirmfliegen ausmacht, ist schwer zu beschreiben – man muss sie erfliegen! Aber jeder hat sich wohl schon einmal gewünscht, sich wie die Dohle vom Wind tragen zu lassen», sinniert er. 1989 hat Muck Letsch die Flugprüfung absolviert, lange Zeit war das Gleitschirmfliegen sein Hobby: Der gelernte Elektroniker arbeitete als Techniker bei den Bergbahnen in Laax, half am Wochenende und in den Ferien aber in einer Flugschule als Tandem-Pilot und Starthelfer aus. «Starthelfer ist für viele der Grundstein zum späteren Fluglehrerberuf», sagt Letsch. Auch bei ihm: 2002 machte er die Fluglehrerprüfung und gründete im Jahr darauf seine eigene Flugschule.

Ein eigenes Universum

Laut Muck Letsch kann eigentlich jeder Gleitschirmfliegen lernen, der eine gute Auffassungsgabe hat, eine normale körperliche Fitness mitbringt und die koordinativen Ansprüche meistern kann. Seine Flugschüler sind bunt durchmischt, was den Beruf und das Alter anbelangt: «Von 15 bis 60 Jahren ist eigentlich jede Altersgruppe vertreten», sagt Letsch. «Eine Flugschule ist ein eigenes Universum – die Freude am Fliegen ist der gemeinsame Nenner. Es entstehen Freundschaften zwischen Menschen, die sich sonst vielleicht nie getroffen hätten.» Luftchraft fliegt hauptsächlich auf dem Jakobshorn: Es eignet sich den ganzen Tag zum Fliegen. Ausser in Davos breitet Muck Letsch seinen Gleitschirm am liebsten in Flims und Verbier aus: «Jeder Ort hat je nach Tages- und Jahreszeit seinen ganz eigenen Reiz.» Kommt er aus den Bergen raus, fasziniert ihn das Fliegen über dem Meer, besonders in der Nähe von Dünenstränden in Dänemark und an der französischen Atlantikküste. Und was machen die Gleitschirmflieger im Winter? «Fliegen!», schmunzelt Letsch. Neben September sind in Davos Februar und März perfekt zum Fliegen, denn die Thermik ist auch im Hoch- und Spätwinter ideal. Allerdings kann die Temperatur dann schon mal gefühlte minus 25° C betragen. «Dann muss man sich warm anziehen – und das Halstuch bis zur Nase hochziehen», so der Fluglehrer. Und wenn der Wind nicht zum Gleitschirmfliegen taugt oder zu viel Schnee liegt? Dann satteln die Gleitschirmflieger von Davos einfach auf Speedflying um, der Verschmelzung von Freeride-Skifahren und Gleitschirmfliegen.