Tradition

Kleine Bündner Brückenkunde

Kleine Bündner Brückenkunde - Tradition

Er ist so etwas wie der Vater des Schweizer Brückenbaus: Christian Menn – Bündner, Bauingenieur und Brückenbauer. Allein im Kanton Graubünden hat er mit seinem Ingenieurbüro über 40 Brücken projektiert, gesamthaft waren es über 60. Contura hat sich einige dieser beeindruckenden Bauwerke angesehen. 

Da fiel der Apfel einmal mehr nicht weit vom Stamm – oder der Brücke: Schon Christian Menns Vater Simon arbeitete als Bauingenieur. In seine Fussstapfen trat 1946 der damals 19-jährige Menn, als er von Chur auszog, um an der ETH Zürich Bauingenieurwesen zu studieren. Nach seinem Abschluss sammelte er erste berufliche Erfahrungen in Chur, Zürich und Bern, bevor er sich für eine Rückkehr an die ETH entschloss und dort 1956 promovierte. Nach einem Abstecher zu einer Bauunternehmung in Paris kehrte er in ein Ingenieurbüro nach Bern zurück und gründete schliesslich mit 30 Jahren sein eigenes Ingenieurbüro in Chur. In den folgenden 14 Jahren projektierte er mit seinem Büro über 60 Brücken, davon über 40 alleine im Bündnerland. Eine kleine Auswahl.

Sunnibergbrücke, Klosters 1999

Sie gilt als Wahrzeichen von Klosters: die Sunnibergbrücke, die zur 2005 eröffneten Dorfumfahrung gehört. Sie ist rund 60 Meter hoch, hat eine Spannweite von 140 Metern und ist 528 Meter lang. Sie beginnt ein paar hundert Meter unterhalb von Klosters Dorf bei Büel und endet am Westportal des Gotschnatunnels, am sogenannten Drostobel. Sie überspannt damit das Tal der Landquart, die unweit der Brückenpfeiler entlangfliesst. Die Sunnibergbrücke ist eine Schrägseilbrücke – eine Brücke also, deren Fahrbahnträger an schräg über Pylonen gespannten Seilen aufgehängt ist. Bei der Sunnibergbrücke sind es vier Pylonen, welche die Stahlseile tragen. Diese Schrägkabel mit über 700 Tonnen Tragkraft bestehen bei der Sunnibergbrücke aus parallelen Drähten. Noch vor seiner Eröffnung wurde dieses Bauwerk mit dem internationalen «Outstanding Structure Award» ausgezeichnet.

Rheinbrücke, Tamins 1963

Die Brücke mit einer Spannweite von 100 Metern überquert den vereinigten Vorder- und Hinterrhein bei Reichenau-Tamins. Sie gilt als erste Bogenbrücke mit einem teilweise vorgespannten Versteifungsträger, was in der damaligen Zeit eine bedeutende Neuerung war. Die Brücke kommt mit einem schmalen, eleganten Betonbogen aus, da der mit einem Kastenquerschnitt ausgebildete Fahrbahnträger und der Bogen statisch und konstruktiv ein ganzheitliches Tragwerk bilden.

Viamalabrücke, Thusis 1966

Die Viamalabrücke ist 180 Meter lang und überquert als Strassenbrücke die etwa 75 Meter tiefe Viamalaschlucht bei Thusis – direkt am Nordeingang zu dieser eindrücklichen Schlucht. Weil die Schlucht an dieser Stelle auf beiden Seiten steile Felsabhänge aufweist, wäre der Bau von zuverlässig fundierten Stützen sehr aufwendig und teuer geworden. Deshalb wollte Christian Menn die Schlucht mit einer einzigen Spannweite überwinden: 86 Meter beträgt die Spannweite dieser Bogenbrücke. Wie bei der Rheinbrücke löste Menn diese Aufgabe mit einem schlanken Bogen und einem starken Versteifungsträger.

Cascella- und Naninbrücke, Mesocco 1967

Auch bei den Zwillingsbrücken vor Mesocco setzte Christian Menn das Bogenkonzept der Rheinbrücke Tamins ein. Die beiden bekannten Autobahnbrücken aus Spann- und Stahlbeton gehören zu den eindrücklichsten Bauwerken entlang der San-Bernardino-Route, ihre Spannweiten betragen 86 respektive 112 Meter. Von Norden her kommend überqueren die Autos den Fluss Moësa zunächst via Cascellabrücke, um dann nach einer 180-Grad-Biegung der Autobahn den Fluss über die Naninbrücke erneut zu queren.

Langwieserviadukt

Langwieserviadukt

Nicht nur die Autos im Bündnerland, auch die Züge der RhB überqueren hie und da Täler und Flüsse auf beeindruckenden Brücken. Eine davon ist der Langwieserviadukt auf der Strecke Chur – Arosa: Wie ein majestätischer Triumphbogen steht die einspurige Eisenbahnbrücke 62 Meter hoch über der Schlucht.