UNESCO Welterbe RhB

Bahnwelt anno dazumal: der Bahnhof von Stuls

Bahnwelt anno dazumal: der Bahnhof von Stuls - UNESCO Welterbe RhB

Mitten im Gebiet des UNESCO Welterbes, auf einer offenen Waldlichtung, liegt ein verlassenes Bahnhofshäuschen: «Stugl-Stuls» steht dort in weissen Lettern angeschrieben. Heute ist der Bahnhof von Stuls Station 15 des Bahnerlebniswegs Albula und damit ein Ort, wo Geschichte erlebbar wird. Zu Beginn des Bahnzeitalters herrschte hier noch reges Treiben …  

Billette verkaufen, Weichen stellen, Waren ein- und ausladen: Auf dem Bahnhof von Stuls gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts viel zu tun. Die Station war damals der einzige Anschluss des Dorfes an den öffentlichen Verkehr. Jeden Tag von sechs Uhr morgens bis abends um acht Uhr war Stationsvorstand Angelin Flisch auf den Beinen und sorgte dafür, dass alles reibungslos lief. Besonders viel Arbeit gab es, wenn die Bauern ihr Vieh auf den Markt brachten – dann mussten alle Kühe, Ziegen und Schafe auf die Waggons verfrachtet werden. Aufregend war auch die Geburt von Angelins Sohn Angelo im Jahr 1947: Damals brachten die Frauen ihre Kinder noch zu Hause zur Welt und die Hebamme musste von einem Bahnbeamten mit der Draisine, dem Schienenvelo, von Bergün nach Stuls chauffiert werden. Angelo Flischs Leben war damit von Anfang an von der Bahn geprägt – kein Wunder, arbeitete er später als Lokführer bei der RhB.

Der Bahnhof in Stuls wurde 1903 in Betrieb genommen. Die Station war mehr als eine Notwendigkeit für den Bahnbetrieb, sie war gleichzeitig auch Lebensmittelpunkt für viele Dorfbewohner: Stationsvorstand Flisch, seine Frau und die fünf Kinder wohnten im oberen Stock des Bahnhofgebäudes, der Streckenwärter lebte mit seiner Familie im Nachbarhaus. Da das eigentliche Dorf weit entfernt lag, gab es am Bahnhof sogar eine eigene Schule. Als Schulhaus diente eine Baracke, die beim Bau des Albulatunnels in Preda als Arbeiterunterkunft gedient hatte und dann nach Stuls versetzt wurde. Hier wurde sie später auch als Schuhmacherwerkstätte und schliesslich, während des Kraftwerkbaus in den 60er-Jahren, als Kantine genutzt. Der Bahnhof von Stuls war damit bis in die 70er-Jahre für die Bewohner des Dorfes ein Bindeglied zur Aussenwelt.

Inzwischen können viele der aufwendigen Stationsarbeiten von früher automatisch ausgeführt werden und um den Bahnhof ist es ruhig geworden. Stuls ist heute eine fernbediente Kreuzungsstelle, wo kein Zug mehr fahrplanmässig hält. Doch durch seine Abgeschiedenheit konnten die Gebäude der Vergangenheit erhalten werden. Der Stulser Bahnhof ist so zu einem Ort geworden, wo Geschichte erlebbar wird.

Zu Fuss unterwegs im UNESCO Welterbe RhB: Bahnerlebnisweg Albula

Stuls ist Station 15 auf dem Bahnerlebnisweg Albula. Bei einem Zwischenstopp können Wanderer hier die Geschichte rund um den Bahnhof erfahren und sich in eine frühere Zeit zurückversetzen lassen. Der Bahnerlebnisweg Albula verläuft in drei Etappen im UNESCO Welterbe «Rhätische Bahn in der Landschaft Albula / Bernina» von Preda bis nach Filisur. 26 Stationen gibt es entlang dieser Strecke zu erkunden, vom Albulatunnel über die Museen in Bergün bis zum Landwasserviadukt kurz nach Filisur. Jede Station ist mit einer roten Tafel ausgestattet, wo historische und aktuelle Informationen zu Bahn, Technik, Kultur und Alltag der Rhätischen Bahn und der Menschen im Albulatal zu finden sind. Für die Kinder gibt es speziell zugeschnittene Themen, erläutert von Türli und Flidari, den zwei Lausbuben unterwegs auf dem Bahnerlebnisweg Albula. Und wenn das Wandern und Erleben hungrig macht, dann gibt’s beim Bahnhof Stuls eine schöne Feuerstelle – perfekt zum Grillieren!

Das UNESCO Welterbe RhB erleben

Das UNESCO Welterbe RhB erleben

Eintauchen in die Schönheit der Natur: Der Bahnerlebnisweg Albula soll das UNESCO Welterbe «Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina» erlebbar machen, sagt Roman Cathomas, Produktmanager UNESCO Welterbe RhB und Bernina Express.