UNESCO Welterbe RhB

Bernina: Herrscher über Legenden und Leidernschaft

Bernina: Herrscher über Legenden und Leidernschaft - UNESCO Welterbe RhB

Für Gian Luck ist der Bernina die grosse Liebe. Im wahrsten Sinn des Wortes: Der Bergführer aus Pontresina kennt den Berg wie seine Hosentasche. Wer seine Begeisterung spürt, möchte gleich losmarschieren. Patrick Burger vom Kulturhaus Bellaluna in Filisur bewundert den 4049 Meter hohen Riesen lieber aus der Ferne. Und empfiehlt ihn den sportlichen Gästen. Zwei Geschichten. Ein Berg.

«Nach der Matura war mir schnell klar, dass ich meine Brötchen im Freien verdienen will.» Dieses Ziel hat Gian Luck ganz klar erreicht. Der 31-jährige Bündner aus Haldenstein verbringt sein Leben am Berg: als Bergführer in Pontresina, als Geschäftsführer der Bergsteigerschule Pontresina – und als Präsident des Bündner Bergführerverbandes. Und warum hat er sich fürs Engadin entschieden? «Ich arbeite quasi vor meiner Haustüre. Das Berninamassiv ist einfach Heimat.» Und dann war da noch die Liebe zu seiner Freundin, die ihn nach Pontresina gezogen hat. Er habe das noch nie bereut – im Gegenteil. Rund 200 Tage pro Jahr ist Gian Luck mit Gästen unterwegs am Piz Bernina und Piz Palü. «Es ist einfach toll, auf dem Gipfel die leuchtenden Augen der Leute zu sehen und ihre Freude zu spüren. Ich teile mit ihnen ein Naturerlebnis, das sie nie mehr vergessen. Das macht auch mich glücklich.» Und wenn Gian Luck erzählt, leuchten auch seine Augen – und er findet die schönsten Worte: «Der Biancograt wird auch Himmelsleiter genannt. Du stehst da unterhalb des langen weissen Grats, der sich endlos zieht in Richtung Blau. Und auf dem Gipfel siehst du die ganze Alpen-Pracht: vom Ortler bis zum Monte Rosa und die ganzen Berner Gipfel.» Seine Gäste, so der Bergführer, das seien Leute mit dem Wunsch nach einem unvergesslichen Bergerlebnis. Jeder Teilnehmende brauche Vorkenntnisse, müsse schon anspruchsvolle Touren gemacht haben. Denn der Bernina sei nicht ohne.

Mit den meisten Leuten machen die Bergführer von Pontresina eine 2,5-tägige Tour, mit Übernachtung. Am ersten Tag geht man ganze acht bis neun Stunden. Zwischen Juli und September sei es am schönsten. Gian Luck: «Der Sonnenaufgang auf dem Bernina ist absolut fantastisch», schwärmt er. Und wo Leidenschaft im Spiel ist, sind auch Mythen und Geschichten nicht weit. Auch Gian Luck hat eine parat: «Ende der 70er-Jahre lebte auf der Diavolezza eine Katze, auch bekannt als Palü-Katze. Manchmal begleitete sie die Tourengänger auf den Piz Palü. Sie folgte ihnen in ihrer Spur bis auf den Gipfel. Als eines Tages zwei Bergsteiger am Bumillerpfeiler unterwegs waren, kam schlechtes Wetter auf. Am Gipfel angekommen, entschieden sie, dort zu biwakieren. Mitten in der Nacht wachten sie auf. Sie hörten ein Miauen – und waren überzeugt davon, total durchzudrehen und dem Tod nahe zu sein. Welche Erleichterung, als sie ihren Biwaksack öffneten: Die Palü-Katze hatte dort Unterschlupf gefunden.»

Gian Luck ist natürlich am liebsten hoch oben. Aber er findet den Bernina auch «anders» schön. Zum Beispiel vom Zug aus, auf der Fahrt quer durchs UNESCO Welterbe. «Wer mit dem Bernina Expess gefahren ist und den Blick aufs Berninamassiv genossen hat, der vergisst die schöne Berglandschaft nicht so schnell. Bergseen in allen Farben und die andauernde Macht des Wassers, das unsere Täler geformt hat. Und immer wieder ein Tier, das scheu in der Gegend steht. Was gibt es Schöneres?» Gian Luck, ein leidenschaftlicher Bergführer – mit philosophischem Blick auf eine Gegend, die ihm alles bedeutet.

Der Bernina Express: ein Erlebnis der Extraklasse
Erleben Sie eine der spektakulärsten Alpenüberquerungen: Die Albula- und Berninalinie verbinden den Norden und den Süden Europas in Schlangenlinien und ohne Zahnrad. Ein Hochgenuss ist die Panoramafahrt im Bernina Express – vorbei an Gletschern, hinunter zu den Palmen.

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