Was machen eigentlich...

...Kajak-Lehrer aus der Rheinschlucht im Winter?

...Kajak-Lehrer aus der Rheinschlucht im Winter? - Was machen eigentlich...

Während der Saison von Mai bis Anfang Oktober haben die Paddler in der Rheinschlucht, dem Grand Canyon der Schweiz, alle Hände voll zu tun. Kajak-Kurse sind dabei nur ein Angebot unter vielen – Kanadier-, Funyak- und Rafting-Touren zählen ebenso dazu. «Während der Saison arbeiten bei uns zehn Personen Vollzeit, sogar mehr als 100 Prozent», erklärt Thomas Rogenmoser, Teilhaber der Kanuschule Versam. «Zu Spitzenzeiten im Juli und August stehen nochmals rund 20 Personen auf Abrufbereit, vor allem am Wochenende.» 

Der Vorderrhein ist beliebt bei Freizeitsportlern und passionierten Wildwassercracks – und Kajak-Lehrer für viele Besucher ein abenteuerlicher (Traum-)Beruf. Das sieht auch Thomas Rogenmoser so: «Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht, egal, wie abgedroschen das klingen mag.» Nur der gelernte Elektroniker und die zwei anderen Teilhaber arbeiten das ganze Jahr hindurch in der Kanuschule Versam. Die saisonalen Arbeitskräfte verbringen die kalte Jahreszeit ganz unterschiedlich: Vom Naturwissenschaftler über den Chefkoch bis zum Prediger gehen viele Paddler im Winter ihrem ganz normalen Beruf nach. Es gibt aber auch andere. Jene, die über den Winter nach Südamerika fliegen und ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung nachgehen: dem Kajakfahren. 

Rafting in der Rheinschlucht

Rafting in der Rheinschlucht

Los geht’s in Versam: Mit dem Zug der RhB fährt die Rafting-Gruppe nach Ilanz, wo das Boot aufgepumpt und zu Wasser gebracht wird. Nach der «Arbeit» folgt – unter fachkundiger Anleitung – der Spass: Über zehn Kilometer trägt der Rhein das Raft durch die Rheinschlucht, zurück nach Versam. Hier gibt es Impressionen der aufregenden Fahrt!

Von Versam nach Venezuela
«In Graubünden ist das Paddeln mein Beruf. Nach der Saison zieht es mich nach Südamerika. Dort ist es mein Hobby», erklärt der Holländer Kees van Kuipers. Jenseits des Atlantiks ist der passionierte Kajak-Fahrer unterwegs auf dem ganzen Subkontinent – egal ob in Kolumbien, Ecuador, Chile oder Venezuela. «In Südamerika bin ich rund vier Monate mit dem Kajak unterwegs. Hier treffe ich meine Freunde aus der ganzen Welt.» Die Vorfreude ist van Kuipers anzumerken. Am wichtigsten ist ihm dabei die Abwechslung. Paddeln, picknicken, paddeln, am Strand liegen, surfen, paddeln, grillieren, paddeln und im Zelt übernachten. Das Abenteuer ruft: Immer wieder gibt es neue Flüsse zu entdecken. Da kommt es schon einmal vor, dass sich die Kajak-Fahrer drei Tage durch den kolumbianischen Dschungel kämpfen, weil sie im Fluss die falsche Abzweigung genommen haben. «Das ist aber die Ausnahme. Eine gute Vorbereitung ist das A und O. Wir sprechen mit Fischern, um mehr über den Flusslauf zu erfahren, und die Bauern erklären uns, wo es Trinkwasser zu finden gibt. Das ist einiges komplizierter als am Vorderrhein: In Südamerika verlaufen keine Schienen dem ganzen Fluss entlang», witzelt der Holländer. Aber auch dort reist man wenn möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder nimmt zur Not ein Taxi. «Manchmal hält der Bus nicht. Das macht aber gar nichts, denn Zeit hat man in Südamerika genug», erklärt er. Er warte gerne stundenlang auf die nächste Fahrgelegenheit. So habe er Zeit, mit anderen Kajak-Verrückten zu plaudern. Und was macht Kees van Kuipers nach seinem Abenteueraufenthalt in Südamerika? «Ferien. Am liebsten am Strand.»