Powerplay

In den Katakomben des HCD

In den Katakomben des HCD - Powerplay

Die Vaillant Arena ist die Heimat des legendären Hockey Club Davos (HCD). Ein Blick hinter die Kulissen des Stadions zeigt, warum der rote Teppich hier viel Arbeit bedeutet, was ein Einkaufswagen in der Garderobe der Hockeystars zu suchen hat und warum die vier Eismeister zugleich Künstler sind.

Der Puck zischt über die Eisfläche. Der Stock von HCD-Stürmer Dino Wieser schwingt, der Puck fliegt und knallt vor die Plexiglasscheibe am Spielfeldrand. Ein Kanister voller Pucks steht in der Mitte des Spielfelds. Aus diesem bedienen sich die beiden HCD-Spieler, die an diesem Morgen in der Vaillant Arena in Davos trainieren. Einzig auf dem Spielfeld ist Bewegung. Ansonsten herrscht Ruhe im Stadion. Nur ein Mann ist auf der Tribüne zu sehen, wo sonst tausende Fans dem Sieg ihrer Mannschaft entgegen fiebern. Er sprüht Putzmittel auf jeden Sitz und wischt sie mit einem Lappen sauber. Hoch oben unter der eindrücklichen Holzkuppel der Arena hängt das Trikot mit der Nummer 5 – zu Ehren von Marc Gianola. Der ehemalige Verteidiger und Teamkapitän des HCD ist eine Hockeylegende. Vor zwei Jahren hat er seine Sportlerkarriere nach etlichen Erfolgen beendet. Heute arbeitet er als Marketing-Verantwortlicher des Clubs. «Manchmal vermisse ich die Zeit in der Mannschaft schon», sagt er. «Jetzt bin ich ein Einzelkämpfer. Daran musste ich mich zuerst gewöhnen.» Aber es sei schön, auch nach der Sportkarriere im Umfeld des HCD zu arbeiten. An diesem Morgen gewährt er einen Blick hinter die Kulissen «seiner» Mannschaft und führt in eine Welt, die den Zuschauern sonst verborgen bleibt.

«Von stumpf bis scharf: Jeder hat andere Vorlieben.»
Marc Gianola, Marketing-Leiter beim HC Davos

Der richtige Schliff entscheidet
Das Herzstück der HCD-Heimat ist die Garderobe. Schlittschuhe und Helme hängen von der Decke, die Trikots und Trainingsanzüge in den Schränken. Überall prangt das Steinbock-Logo des Clubs. Der Teppichboden hat – wie könnte es anders sein – ein Eishockeyfeld aufgezeichnet. Mitten auf dem textilen Spielfeld steht ein leerer Einkaufswagen. Mit ihm fahren die Spieler aber nicht etwa ihre Einkäufe her. «Das ist unser Wäschewagen», erklärt Marc Gianola. «Nach dem Training wirft jeder seine Schmutzwäsche rein und dann geht diese in die hauseigene Waschküche.» Dort hängen die Matchtrikots in Reih und Glied am Bügel, bereit für ihren nächsten Einsatz.

Im Aufenthaltsraum sitzt Starstürmer Reto von Arx. Der Fernseher läuft, es riecht nach Kaffee. Marc Gianola wechselt ein paar Worte mit dem ehemaligen Mannschaftskollegen und führt weiter durch die Katakomben des Clubs: Massageraum, Wellness und die Schleifwerkstatt für die Schlittschuhe. «Das ist ein sehr wichtiger Raum», betont Gianola. Denn es sei entscheidend, dass die Kufen den richtigen Schliff hätten. Materialwart Stefan Steiner weiss genau, wie er den Schlittschuh für jeden Spieler schleifen muss. «Jeder hat da andere Vorlieben», erklärt Gianola. Die einen mögen ihren Schuh lieber stumpf, andere ganz scharf, die einen wollen die Kufen fast nach jedem Training schleifen, andere wiederum nur drei Mal im Jahr.

Jeden Tag: Schusstraining im «Kommandoraum»
Auf dem weiteren Weg durchs Stadion öffnet Marc Gianola eine Türe mit der Aufschrift «Kommandoraum». Eine Holztreppe führt hinunter in einen fast leeren Kellerraum. Ganz hinten an der Wand steht ein Hockeygoal. «Hier ist während der Spiele die Zentrale der Polizei und der Security», erklärt der Marketing-Verantwortliche. «Wenn aber nicht gerade ein Match läuft, ist das unser Schussraum», sagt Gianola. «Eine halbe Stunde täglich muss hier drin jeder Spieler immer wieder aufs Goal schiessen und seine Schusstechnik trainieren.»

«Regeln für das Eisputzen gibt es nicht. Erfahrung ist das Wichtigste.»
Reto Fümm, Eismeister

72 000 Liter: Stündlich reinigen die Eismeister das Feld
Das Foyer des Südeingangs, in dem sich sonst in der Spielpause die Besucher tummeln, ist dunkel und leer. Eine Bahn aus Schaumstoffmatten zieht sich wie ein roter Teppich durch den ganzen Gang. Wichtige Gäste erwartet der HCD an diesem Morgen aber nicht. Dieser «rote Teppich» bedeutet für die Spieler harte Arbeit. «Auf diesen Matten macht die Mannschaft Sprungtraining, um Geschwindigkeit und Koordination zu verbessern», erklärt Gianola auf dem Weg in die Garage der Eismaschine. Diese fährt soeben ein. Am Steuer sitzt Eismeister Reto Fümm. Er ist einer von vier Eismeistern in der Vaillant Arena. 72 000 Liter Wasser sind in der 1 800 Quadratmeter grossen und fünf Zentimeter dicken Eisfläche eingefroren. Nur von April bis August ist die Halle eisfrei. Dann stehen die Wartungsarbeiten der Kühlanlage auf dem Programm. Zielsicher steuert Fümm rückwärts ein Betonbecken im Boden an. Die nächste Ladung Schnee ist auf dem Weg. «Das Eis zu putzen ist eine Kunst für sich», sagt Fümm. «Wir müssen abschätzen, wie tief die Kratzer und Rillen im Eis sind, wie viel Wasser wir rauslassen müssen und wie stark wir das Eis mit dem breiten Messer der Eismaschine abschaben.» Immer gleiche Regeln gebe es dafür nicht, Erfahrung sei das Wichtigste. Denn sobald der Eismeister das Spielfeld mit der Maschine verlässt, sollten keine Pfützen zurückbleiben und alles Wasser wieder gefroren sein. «Auch die Spieler geben uns Rückmeldung zur Beschaffenheit der Eisfläche», sagt Fümm. «Da tauschen wir uns ständig aus, um ein optimales Ergebnis zu erhalten.» Eine Stunde hat die Maschine Pause. Dann ist die nächste Runde auf dem Eis fällig

Interview mit Piotr Caviezel

Interview mit Piotr Caviezel

"Es gäbe bestimmt viele, die für einen derartigen Einblick bezahlen würden."

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Alle Informationen zu den Spielern, Matches und dem Club finden Sie auf der offiziellen Website des HCD.

Lieben Sie die Farben blau und gelb? Besonders wenn sie auf dem Eis zu sehen sind? Dann treten Sie dem Fanclub des HCD bei und fiebern Sie mit Gleichgesinnten dem Sieg entgegen.