Aus Berufung

Der Saubermann vom Dienst

Der Saubermann vom Dienst - Aus Berufung

Ruedi Pargetzi ist gelernter Bäcker/Konditor. Doch ihn zog es hinaus aus der Backstube – auf die Gleise der Rhätischen Bahn. Als Streckenwärter kontrollierte er jahrelang die Schienen zwischen Chur und St. Peter. Heute ist er im besten Sinne des Wortes der Saubermann vom Dienst: Mit seinem Team sorgt er jeden Tag für blitzblanke Züge.

Im Schritttempo rollen zwei Panoramawagen des Glacier Express und ein nostalgischer blauer Waggon des Pullman Express in den «Tunnel». So nennen die Angestellten des Betriebsunterhalts der RhB die Zugwaschanlage in Landquart. Denn an einem Tor geht’s hinein und vier Reinigungsgänge später blitzblank durchs andere Tor wieder hinaus. Wie in einer überdimensionalen Autowaschanlage fährt eine riesige, rotierende Bürste rauschend und spritzend über Dach und Seitenwände der Wagen. Die Puffer und Treppen zwischen den einzelnen Wagen reinigen die Mitarbeitenden mit Schrubbern. «Die Maschine würde den Anschlüssen und Kabeln an den Waggonverbindungen schaden, darum ist das Handarbeit», sagt Ruedi Pargetzi. Er ist Gruppenleiter im Betriebsunterhalt der RhB in Landquart. Im Innenraum der Wagen herrscht tosender Lärm. Ein Mitarbeiter trägt einen Staubsauger auf dem Rücken und ist dabei, die Polster der Sitze zu säubern. Eine Stunde Zeit haben die sechs Männer, um fünf Waggons zu putzen.

«Ich wollte raus aus der Backstube und etwas Handwerkliches machen.»
Ruedi Pargetzi, Gruppenleiter

Immer saubere Züge – das ist das Ziel der Rhätischen Bahn. Entsprechend ausgeklügelt ist das Reinigungskonzept. Ein mobiler Reinigungstrupp ist während der Fahrt in den Zügen unterwegs, kontrolliert WCs und leert Müllkübel. An den Bahnhöfen werden die Züge täglich geputzt, wenn sie einen längeren Halt machen. Einmal pro Woche durchläuft jede Lok und jeder Wagen den «Tunnel» in Landquart, wo sie aussen und innen gereinigt und anschliessend technisch überprüft werden. Die grosse Hauptreinigung steht einmal pro Jahr an.

Arbeiten bei der RhB

Arbeiten bei der RhB

Wir suchen Menschen mit Zug. Weitere Informationen rund um Beruf und Karriere bei der Rhätischen Bahn finden Sie auf www.rhb.ch/karriere

Bei Wind und Wetter auf den Schienen unterwegs
«In zehn Monaten haben wir hier in Landquart 14'700 wöchentliche und 362 jährliche Reinigungen erledigt», sagt Ruedi Pargetzi stolz. Seit zehn Jahren arbeitet er im Betriebsunterhalt. Doch das ist nicht seine erste Station. Schon seit 30 Jahren arbeitet der 50-Jährige bei der Rhätischen Bahn. Ursprünglich lernte Pargetzi Bäcker / Konditor. «Aber ich wollte raus aus der Backstube und etwas Handwerkliches machen», erzählt er. Und so bewarb er sich als Bauarbeiter bei der RhB. Später wurde Pargetzi Streckenwärter. Täglich fuhr er für die Frühkontrolle der Schienen um vier Uhr morgens mit einer Draisine – einem Velo auf Schienen – die zwölf Kilometer lange Strecke von St. Peter nach Chur ab. Dabei stellte er sicher, dass der Weg für die rote Bahn frei ist, indem er Steine oder Äste aus dem Weg räumte. Anschliessend legte er dieselbe Strecke nochmals zu Fuss zurück und überprüfte die Gleise auf Brüche oder Schäden. «Ich war bei Wind und Wetter draussen – und dank der Arbeit natürlich topfit», sagt er.

Die Heinzelmännchen der RhB
Irgendwann sehnte sich der dreifache Vater jedoch nach einem Arbeitsplatz an einem festen Ort. «Ich mochte meinen Beruf als Streckenwärter zwar, aber ich hatte genug vom ständigen unterwegs sein», sagt er. Darum bewarb sich Pargetzi intern auf eine freie Stelle bei der Wagenreinigung in Chur. Schon kurze Zeit später holte man ihn als Gruppenleiter in den Betriebsunterhalt nach Landquart. «Ich liebe putzen und das tolle Gefühl, dass alles wieder blitzsauber ist», sagt er. Die Arbeit von ihm und seinen Teams werde vom Fahrgast oftmals kaum wahrgenommen. «Wir sind sozusagen die Heinzelmännchen der RhB, die über Nacht alles sauber machen, damit am nächsten Tag alles bereitsteht.» Für ihn sei es das Schlimmste, wenn Leute abschätzig über Reinigungskräfte reden. «Das ist eine sehr anspruchsvolle Arbeit, auch körperlich», sagt Pargetzi. Es brauche Fachkenntnisse über Materialien und die entsprechenden Chemikalien in den Reinigungsmitteln. «Wir laufen nicht einfach mit einem Putzlumpen herum und stauben ab.»

«Ich liebe putzen und das tolle Gefühl, dass alles wieder blitzsauber ist.»
Ruedi Pargetzi, Gruppenleiter

Eine Fehlermeldung der besonderen Art
Sein Team beweist das an diesem Morgen bei der Hauptreinigung vom ALLEGRA-Triebzug «Carlo Janka». Ein Mitarbeiter kniet auf dem Boden und wischt die Fläche sauber, die sonst unter einem Teppich verborgen bleibt, ein anderer zieht ein Shampooniergerät hinter sich her und reinigt die Sitzpolster. «Unsere Mitarbeitenden kommen aus den unterschiedlichsten Berufsgattungen», erklärt der Gruppenleiter. Darunter Köche, Maler oder ehemalige Angestellte aus der Gastronomie. Denn eine Ausbildung für Reinigungskräfte gebe es in der Schweiz noch nicht. Deshalb bietet die Rhätische Bahn intern viele Weiterbildungsprogramme für ihre Mitarbeitenden an. «Wir bilden unsere eigenen Spezialisten aus, zum Beispiel für die Entfernung von Graffiti.» Rund 50 Mitarbeitende sorgen täglich im Dreischicht-Betrieb dafür, dass die roten Züge über Nacht sauber werden. «Unsere Arbeit sieht der Gast als erstes wenn er den Zug betritt – wenn auch unbewusst», sagt Pargetzi. «Denn es ist entweder sauber oder eben nicht – und das würde auffallen.» Manchmal sehen die Fahrgäste aber doch, welche Leistung hinter den blitzblanken Wagen steht. Dann bekommt das Reinigungsteam eine Fehlermeldung der besonderen Art: «Einige nutzen das Fehlermeldesystem der RhB, über das der Gast mögliche Störungen melden kann, um uns ein Lob für die Sauberkeit der Züge zu übermitteln», erklärt Pargetzi und lacht. «Solche Meldungen drucken wir dann aus, hängen sie an unsere Pinnwand und freuen uns darüber.»